Die letzte verschlossene Tür der Wissenschaft – David Hume über den Bereich des Unmöglichen

Die Stringtheorie versucht den Ursprung des Universums mithilfe von vibrierenden, eindimensionalen Teilchen – sogenannten „Strings“ – zu erklären. Alle Physiker, die die Implikationen dieser Theorie zu verstehen glauben, lassen sich vermutlich an einer Hand abzählen. (Mir ist selbst der Wikipedia-Artikel zu anspruchsvoll.) Und auch falls du zu dieser Minderheit zählen würdest, wäre dies neben der intellektuellen Stimulation nicht besonders viel wert. Denn es lassen sich nicht wirklich Experimente durchführen, um die Stringtheorie zu überprüfen.

Mehr als zwei Drittel unseres Universums besteht aus dunkler Materie, von der wir nicht wissen, wie sie sich verhält, woraus sie besteht, und was sie eigentlich genau ist. Ein Gehirn besitzt ungefähr 90’000’000’000 (90 Milliarden) Nervenzellen und ca. 100’000’000’000’000 (100 Billionen) Synapsen. Und selbst in einem Liter Wasser sind 33’000’000’000’000’000’000’000’000 (33 Quadrillionen) Atome vorhanden. Dass wir nicht verstehen, wie diese Teilchen tatsächlich miteinander interagieren, ist vielleicht nicht nur eine Frage von Rechenleistung.

Ob Antworten auf offene Fragen nur schwierig zu finden sind, oder ob sie nicht gefunden werden, weil es sich um unerklärliche Mysterien handelt, ist kaum zu unterscheiden. Genau dieser Unterschied sei jedoch elementar, wie Peter Thiel in Zero to One erklärt: „You can achieve difficult things, but you can’t achieve the impossible.“

Für den schottischen Philosophen David Hume (1711 – 1776) ist die letzte Ursache von jeglichem Geschehen in der Natur ein solches Mysterium. Es liege ausserhalb unserer Reichweite, die Kausalitäten und Wechselwirkungen von solch komplexen Systemen zu verstehen. Selbst wenn die Wissenschaft Fortschritte macht, entstehen aus Antworten neue Fragen. Und aus Wissen neue Möglichkeiten. Aber der Horizont bleibt in der Ferne. Hume schreibt in Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand:

«Daher kommt es, dass kein vorsichtiger und bescheidener Philosoph es je unternommen hat, die letzte Ursache von irgend einem Naturvorgang anzugeben oder die Wirksamkeit der Kräfte bestimmt darzulegen, welche in der Welt irgend eine Wirkung herbei führt. […] Die letzten Kräfte und Prinzipien sind der menschlichen Wissbegierde und Forschung gänzlich verschlossen. Elastizität, Schwere, Zusammenhang der Teile, Mitteilung der Bewegung durch Stoß sind vielleicht die letzten Ursachen und Prinzipien, die man in der Natur entdecken kann, und man muss sich glücklich schätzen, wenn durch sorgfältige Untersuchung und Überlegung die besonderen Erscheinungen sich bis auf diese allgemeinen Prinzipien oder bis nahe zu ihnen zurückführen lassen.

Die vollkommenste Philosophie der Natur schiebt nur unsere Unwissenheit ein Wenig weiter zurück, und ebenso dient vielleicht die vollkommenste Metaphysik und Moralphilosophie nur dazu, größere Stücke von unserer Unwissenheit bloß zu legen.

So ist menschliche Schwäche und Blindheit das Ergebnis aller Philosophie; bei jeder Wendung treffen wir auf sie, trotz aller Versuche, sie zu beseitigen oder zu umgehen.» 

Phenakistiskop 1833