Hier, ein Ei.

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Es ist ein Dinosaurier-Ei. Oder vielleicht nicht. Ich weiss es nicht. Aber ich geb es dir. Du trägst die Verantwortung dafür. Woher kommt es? Ich weiss es nicht. Wie hat es diese lange Zeit überdauert? Ich weiss es nicht. Bist du neugierig? Bist du dir dem Risiko bewusst? Vielleicht schlüpft ein Dinosaurier aus diesem Ei. Vielleicht schlüpft kein Dinosaurier aus diesem Ei. Darf man das Ei ausbrüten? Oder muss man es zerstören? Vielleicht ist es ein friedliches Exemplar. Vielleicht ein menschenfressendes Ungetüm. Ich weiss es nicht.

Hier, das Ei.

Was machst du damit?

Eine kurze Geschichte über das Vergessen – TEIL 1

Ich stand auf dem Peron im Hauptbahnhof Zürich und wartete. Mit dem einfahrenden Zug, lächelte mir von weitem ein bekanntes Gesicht entgegen. Sie stand ungefähr 50 Meter von mir entfernt in der Menschentraube vor der bremsenden Schiebetür. Ich wollte nicht unhöflich sein und steig nach ihr in denselben Wagen ein. Nachdem sich die Menge an uns vorbei gedrückt hatte, hatten wir Raum und Luft, uns richtig zu begrüssen.

Sie war mit mir zur Schule gegangen. Hatte dunkle, grosse Augen, braune Haare und ein hübsches Gesicht. Wir waren nie wirklich eng befreundet gewesen, hatten aber einige gute Momente miteinander geteilt. Es waren ungefähr zwei Jahre vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal über den Weg gelaufen sind.

«Fabio, gell?» meinte sie zu mir, nachdem wir uns kurz umarmten. Dieses gell zog sie dabei suggestiv in die Länge. Sie habe in der Zwischenzeit sehr viel erlebt und unzählige neue Leute und Namen kennengelernt. Sie musste etwas nachdenken, aber meinen Namen habe sie sich merken können. Das sagte sie nicht. Das sagte mir dieses gell. Ich weiss nicht, ob sie es so beabsichtigte. Aber ich muss zugeben, meine Interpretation davon wühlte mich innerlich etwas auf. Mehr sogar, dieses gell provozierte mich. Es war ein Ellbogenschlag in die Magengrube meines Egos. Natürlich wusste sie noch, wie ich heisse. Und natürlich kannte sie meinen Namen. Natürlich bin ich Fabio. Was für ein Theater!

Ich liess mir nichts anmerken: Einfach nett nicken und die Begrüssung erwidern. Vergessen wir es. Es ist nie passiert. Jetzt bin ich an der Reihe. Dabei kann nichts schiefgehen. Es sei denn, …

Richtig, mir fiel ihr Name nicht ein.

Ich meinte, den Namen auf der Zunge zu haben. Ich meinte. Aber er wollte mir nicht über die Lippen kommen. Ich hätte einer Blamage ausweichen können und mit einem casual „Hallo“ meine alte Kollegin begrüssen können. Aber dafür war es zu spät. Sie bemerkte mein Zögern. Ich suchte den Namen in jeder verstaubten Ecke und in allen Registern meines Geistes. Warf Aktenstapel um, wischte den Dreck vom Boden auf. Er musste da irgendwo sein. Ich war mir sicher. Aber ich konnte ihn nicht finden. So biss ich mir auf die Zunge und fragte sie nach ihrem Namen.

[to be continued…]

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inspiriert von Alberto Giacometti (1901-1966)

Auf der Suche nach Authentizität – Übers Bloggen, Pixar und ein philosophisches Für-Wahr-Halten

Was toll daran ist, einen Blog zu haben, ist, dass man überall nach Schätzen suchen darf. Es ist wie eine Freikarte zum Spielplatz des Lebens. Einen Schlüssel der Neugier, der jede Tür öffnet. Es ist eine Entschuldigung, blöde Fragen zu stellen. Ein Alibi, Offensichtliches umdrehen zu dürfen.

Auf dieser Schatzsuche spielt es keine Rolle, ob das, was man findet, gross oder klein, alt oder neu, kindisch oder erwachsen ist. Das wichtigste Element dabei ist das Suchen. Ein Suchen, ohne zu wissen, was man findet. Ohne zu wissen, ob man überhaupt etwas findet.

Auf eine ähnliche Art und Weise entstehen Ideen und Geschichten im kreativen und inspirierenden Universum der Pixar-Animationsstudios. Einer meiner Lieblingsfilme ist Ratatouille: Die Geschichte einer kochenden Ratte im kulinarischen Hotspot der neuen Welt, dem pulsierenden und lebendigen Paris. Was Ratatouille so aussergewöhnlich macht, ist neben der verrückten Idee (Man stelle sich einen Elevator-Pitch dazu vor – das Gegenüber würde vermutlich nur mit dem Kopf schütteln) und die präzise Animationsarbeit diese gewisse Authentizität, die der Film vermittelt. (Auch wenn es für den Moment noch schräg klingen mag, bei einem derartigen Film über Authentizität zu sprechen…)

Wenn sich ein Filmteam bei Pixar für eine Geschichte entscheidet, werden die Filmemacher auf Recherche-Trips geschickt. Der Plot, die Umgebung und die Charaktere entstehen also nicht allein in den bunten Ateliers von Pixar in Emeryville, Kalifornien, sondern da draussen in der Welt.

→ Video: Building Paris | Ratatouille | Disney•Pixar

Am Beispiel von Ratatouille bedeutet dies für das Filmteam eine teure Reise nach Paris und noch teurere Abende in den besten Restaurants der französischen Hauptstadt. Ed Catmull, der Direktor von Pixar erklärt den Sinn hinter diesen Recherche-Ausflügen in seinem aussergewöhnlichen Buch Creativity, Inc.:

«Ultimately, what we’re after is authenticity. What feels daunting to the filmmakers when John Lasseter sends them out on such trips (for research) is that they don’t yet know what they are looking for, so they’re not sure what they will gain. But think about it: You’ll never stumble upon the unexpected if you stick only to the familiar.»

Auch wenn der durchschnittliche Zuschauer von Ratatouille vermutlich nie einen Einblick in eine französische Sterne-Küche erhalten oder die Struktur des Kopfsteinpflasters der Pariser Altstadtstrassen unter die Lupe nehmen wird, so spürt man beim Anschauen trotzdem das subtile Gefühl, dass eine Szene, eine Textur oder ein Raum echt sein könnte. Mit anderen Worten: auch wenn man nicht genau weiss wieso, man spürt, dass die Filmemacher von Ratatouille ihre Hausaufgaben gemacht haben. David Hume beschreibt dieses Gefühl des Für-Wahr-Haltens in seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand:

«Die Einbildungskraft hat Gewalt über alle Vorstellungen und kann sie auf alle möglichen Weisen verbinden, mischen und abwandeln. Sie kann sich erdichtete Gegenstände mit allen Einzelheiten des Orts und der Zeit vorstellen. Sie kann sie uns gewissermaßen vor Augen führen, in ihren wahren Farben, gerade so wie sie auch hätten da sein können. Aber da es unmöglich ist, dass dies Vermögen der Einbildung je aus sich heraus dem Glauben gleichkommen kann, so besteht ersichtlich der Glaube nicht in der besonderen Natur oder Ordnung der Vorstellungen, sondern in der Art, wie sie vorgestellt werden und wie der Geist sie empfindet.» (5.2 #12)

Was David Hume hier feststellt, ist, dass wir uns zwar alle möglichen Szenarien vorstellen können, es aber dennoch einen feinen Unterschied zwischen blosser Imagination und tatsächlichem Für-Wahr-Halten (Glauben) gibt. Dieses besondere «Gefühl» lässt sich aber weder definieren noch vollständig erklären, wie Hume weiter ausführt:

«Wollten wir eine Definition dieses Gefühls zu geben versuchen, so würden wir vielleicht darin eine sehr schwierige, wenn nicht unmögliche Aufgabe erkennen.»

«Ich gestehe, dass es unmöglich ist, diese Empfindung oder diese Art des Vorstellens völlig zu erklären. […] In der Philosophie können wir nicht weiter gehen als bis zu der Behauptung, dass der Glaube etwas vom Geist Empfundenes ist, was die Vorstellungen der Urteilskraft von den Erdichtungen der Einbildungskraft unterscheidet. Er gibt ihnen mehr Gewicht und Einfluss, lässt sie bedeutsamer scheinen, drückt sie dem Geist auf und macht sie zum herrschenden Prinzip unserer Handlungen.»

«Ich sage also, dass Glaube weiter nichts ist als ein gegenständliches Vorstellungsbild von größerer Lebendigkeit, Lebhaftigkeit, Eindringlichkeit, Festigkeit und Beständigkeit, als sie die Einbildung allein je zu erreichen fähig ist. Diese Mannigfaltigkeit von Ausdrücken, die so unphilosophisch erscheinen mag, soll nur dazu dienen, jenen Akt des Geistes auszudrücken, der Wirklichkeiten, oder was dafür gehalten wird, uns gegenwärtiger macht, als Erdichtungen, ihnen mehr Gewicht im Denken gibt und einen überlegenen Einfluss auf die Affekte und die Einbildungskraft verleiht.»

Diese Empfindung, die unsere Vorstellung begleitet, wenn wir etwas für echt halten, stellt sich nach Hume unwillkürlich ein. Das bedeutet, dass wir sie weder willentlich erzeugen noch vermeiden können. Wir sind also nicht unbedingt in der Lage, zu entscheiden, ob wir der Szene in einem Animationsfilm Glauben schenken oder einen Blogpost für wahr halten. Aber wir spüren es ganz deutlich.

Auf der Gegenseite ist das Beste, was wir tun können, zu suchen, zu erfahren, festzuhalten und zu vermitteln. Denn Authentizität lässt sich nicht fabrizieren. Authentizität ist bemerkbar. Authentizität wirkt. Sie wirkt…

…authentisch?

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Wie ich Newtons erstes Gesetz kennenlernte und mir den Ellbogen brach.

Mit 4 Jahren machte ich meinen ersten und gravierendsten physikalischen Fehler. Die Missachtung von Newtons erstem Gesetz kostete mich viele Tränen, eine lange Abwesenheit vom Sandkasten und erteilte mir eine Lektion fürs Leben.

Auf der Vorderseite ein Orang-Utan, auf der Rückseite ein Portrait, mein Name und ein Datum – so präsentierte ich voller Stolz der blonden Kassiererin beim Eingang des Zoo Zürichs meine neue Jahreskarte, die ich kürzlich auf den Geburtstag bekommen hatte.

Den Zoo liebte ich. Die Tiere fand ich toll. Die Atmosphäre einzigartig. Nur etwas war mir zuwider: Die langen Fusswege zwischen den Gehegen. Die Fische und Pinguine waren gleich beim Eingang. Aber wer möchte schon Pinguine oder Fische sehen?

Mein Lieblingstier war der Oryx, eine afrikanische Antilopenart. Klingt nach einem unspektakulären Lieblingstier von einem kleinen Jungen. Und das war die Antilope vermutlich auch. Aber die Hörner des Oryx! Gerade, lang, gleichmässig. Elegant, spitz und tödlich! Ein Speer, ein Schwert, eine Nadel. Das war spektakulär!

Weil sich aber der Weg vom Eingang bis zum Oryx-Gehege so in die Länge zog, war der Zoo-Besuch jeweils eine grosse Anstrengung für meine kurzen Beine und meinen kurzen Atem. Glücklicherweise war der Zoo Zürich für müde (oder faule) Kinder gewappnet und mit Wagen ausgestattet, auf denen einem die Eltern (oder meist Grosseltern) ziehen konnten. Ein solcher Kinderwagen sah (vor 17 Jahren) ungefähr so aus:wagen-e1533466404426.png

An diesem Tag setzte ich mich – natürlich – nicht in die vorgesehenen Sitzplätze mit Lehne, sondern zuhinterst, zuoberst auf den Rand. So hatte ich alles im Überblick und die Situation unter Kontrolle.
Wagen_mit.pngKorrektur: Ich hatte die Situation unter Kontrolle, bis mein Vater den Griff des Wagens in die Hand nahm und zu ziehen begann. In diesem Moment verwandelte ich mich vom Kleinkind in die Variabel einer physikalischen Gleichung.

Newtons erstes Gesetz: Ein Körper verharrt im Zustand der Ruhe oder der gleichförmig geradlinigen Bewegung, sofern er nicht durch einwirkende Kräfte zur Änderung seines Zustands gezwungen wird.

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Während sich der Wagen unter mir vorwärts bewegte, blieb ich an Ort und Stelle sitzen. Nur sass ich nach einem kurzen Moment nicht mehr auf dem Hartplastik des Wagens, sondern ca. einen Meter über dem harten Asphalt. Aus diesem Meter wurde schnell und schneller weniger.

Aufprallgeschwindigkeit = v(h) = √(2gh) = √(2 x 9.81m/s2 x 1m) = 4.43 m/s = 15.95 km/h

Mit 15.95 km/h prallte mein Ellbogen auf den harten Stein. Nicht sehr schnell, aber schnell genug. Und von da an ging alles nur noch schneller: Ein Schrei. Viele Tränen. Mein Vater reagiert. Ins Auto. Weiter in den Spital. Anmeldung an der Theke. Untersuchung. Diagnose: Fraktur. 6 Wochen Schonung. 6 Wochen Schiene.

Kurz: Keine tolles Erlebnis und keine tollen Perspektiven für einen 4-jährigen.

Rückblickend ist es immer einfacher, einen überzeugenden Narrativ zu kreieren. Zufällige Ereignisse können mit grossem Spielraum gedeutet, interpretiert und übertragen werden. Wie auch immer, solange wir uns dieser Verzerrung bewusst sind, gibt es keinen Grund, nicht darüber zu sprechen. Denn diese Momente bleiben im Gedächtnis und geben Stoff für gute Geschichten.

Was haben also dieser Unfall und Newtons Gesetz mit dem Leben zu tun? Es geht nicht um eine (fragwürdige) Theorie der Sozialen Physik, sondern im übertragbaren Sinne um die bildliche Verwendung des Begriffs Momentum (lat. ‚Bewegung‘, ‚Grund‘, ‚Einfluss‘).

Um uns für diese physikalische Lektion zu wappnen, müssen wir zuerst Newtons zweites Gesetz der Bewegung kennenlernen. Besonders wichtig sind dabei die physikalischen Grössen der Masse und der Beschleunigung. Je grösser die Masse eines Objekts ist, desto grösser ist die Kraft, die benötigt wird, um die geradlinige Bewegung zu verändern. Gleichsam führt auch eine grössere Beschleunigung zu einer grösseren Kraft.

Newtons zweites Gesetz: Die Änderung der Bewegung ist der Einwirkung der bewegenden Kraft proportional und geschieht nach der Richtung derjenigen geraden Linie, nach welcher jene Kraft wirkt.

F (Kraft) = m (Masse) x a (Beschleunigung)

Momentum beschreibt auf physikalischer Ebene den Impuls:

Impuls (Wikipedia): Der Impuls ist eine grundlegende physikalische Größe, die den mechanischen Bewegungszustand eines physikalischen Objekts charakterisiert. Der Impuls eines Körpers ist umso größer, je schneller er sich bewegt und je massereicher er ist. Damit steht der Impuls für das, was in der Umgangssprache unscharf mit „Schwung“ und „Wucht“ bezeichnet wird.

Wenn auf ein Objekt keine Kräfte einwirken, dann behält dieses seinen Gesamtimpuls bei. Das heisst, ein Objekt bewegt sich mit derselben Geschwindigkeit und Richtung fort, bis eine äusserer Einfluss diese Geschwindigkeit oder Richtung verändert.

Zusammenfassend:

  • Ein Objekt bleibt in Ruhe oder in geradliniger Bewegung, wenn keine äussere Kraft darauf einwirkt. (1. Newtonsches Gesetz)
  • Je grösser die Beschleunigung und je grösser die Masse eines Objekts sind, desto grösser ist die Kraft, die notwendig ist, um den Bewegungszustand eines Objekts zu verändern. (2. Newtonsches Gesetz)
  • Je schneller sich ein Objekt bewegt und je grösser die Masse dieses Objekts ist, desto grösser ist dessen Momentum. (Impuls)

Das Erlebnis im Zoo erklärt nicht nur die physikalischen Grundgesetzte der Bewegung, sondern steht sinnbildlich für vieles mehr: Egal ob physikalisch oder psychologisch, ob kulturell oder gesellschaftlich, ob es sich um innovative Ideen oder Gewohnheitsveränderungen handelt, um das Lernen oder Lehren – alle Dinge mit Gewicht/Bedeutung sind träge.

Mein Vater zog den Kinderwagen mit guter Absicht. Er wollte mich in Bewegung versetzen, mich vorwärtsbringen. Er wusste, wo er hinwollte und blickte nach vorne. Er brachte den Wagen zum Rollen, doch ich blieb an Ort und Stelle. Egal wie viel Energie mein Vater in seine Aktion steckte, egal wie motiviert er am Wagen zog, sein Aufwand ging ins Leere und führte sogar zu einer Verletzung.

Wenn man seine Kraft nicht dem Impuls des Objekts anpasst, wessen Bewegungszustand man verändern möchte, dann ist die Aktion entweder vergebens oder richtet möglicherweise sogar noch Schaden an.

Das Umgekehrte wäre nämlich auch möglich gewesen: Hätte mein Vater den rollenden Wagen abrupt zum Stehen gebracht, dann wäre der Wagen zwar zum Stillstand gekommen, ich hätte jedoch meine geradlinige Bewegung fortgesetzt und wäre geradlinig in meinen Vater geprallt. Dann hätte ich mir möglicherweise ebenfalls den Ellbogen gebrochen. Oder mein Vater hätte sich den Ellbogen gebrochen. Oder wir beide hätten uns den Ellbogen gebrochen.

Was hätte ich tun sollen, um den Bruch zu verhindern? Ich hätte mich entweder richtig hinsetzen, mich anschnallen oder meinen Vater darauf hinweisen sollen, dass ich auf dem Rand sitze. Klingt langweilig, aber wenn wir auf Effektivität aus sind, ist dies der „way to go“.

Im Alltag befinde ich mich normalerweise in der Position meines Vaters in der Zoo-Szene: Ich habe den Griff des Wagens in der Hand. Ich ziehe diesen und bin verantwortlich dafür, dass das, was sich auf dem Wagen befindet, in Bewegung versetzt wird. Ich richtig fixiert ist oder den Brems- oder Beschleunigungsvorgang dem Impuls des Objekts anpassen. Je massiger das Objekt auf dem Wagen ist und/oder je schneller es sich bewegt, desto vorsichtiger muss ich mich verhalten.

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Und normalerweise ist es auch eher selten, dass man auf dem metaphorischen Wagen die Möglichkeit hat, etwas anzuschnallen. Vielmehr gleichen Situationen im Alltag einer Kugel auf einem flachen Wagen. Es geht um Feintuning, um Details. Eine falsche Bewegung und die Kugel rollt von der planen Fläche herunter.

Was kann man also tun? Mit viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit agieren. Denn Knochen-Brechen ist gar nicht so schwierig. Besonders wenn etwas noch in Kinderschuhen steht…

wagen_kugel_aufmerksam

 

Aufstehen, Hinsetzen, Arbeiten – Was wir von Isaac Asimov lernen können

„Alles Menschenwerk, so es die gewöhnlichen Grenzen an Größe oder Vollendung überschreitet, hat etwas Erschreckendes an sich“, schreibt Clemens Brentano (1778 – 1842). Ab und zu lohnt es sich aber, einen Blick hinter diese erschreckende Fassade zu werfen und die Entstehung dieser Grösse oder Vollendung zu rekonstruieren (oder es zumindest zu versuchen).

Der russisch-amerikanische Science-Fiction- und Sachbuch-Autor Isaac Asimov (1920-1992) verfasste im Verlauf seiner Karriere über 500 Bücher sowie Hunderte von Kurzgeschichten und Essays. Lasst diese Zahlen bitte ein bisschen wirken…

Neben seiner Schriftstellerei holte sich der jüdische Secondo mit 28 Jahren den Doktortitel und arbeitete als Dozent für Biochemie an der Universität Boston. Erst mit 38 Jahren machte er das Schreiben zu seinem Hauptberuf. Aber wie um alles in der Welt gelang es ihm, diese Unmengen an Schriftstücke zu veröffentlichen?!

1. Disziplin
Isaac Asimov stand jeden Morgen um 6:00 Uhr auf, setzte sich hin und arbeitete. Ob er Lust dazu hatte oder nicht, ob er sich gut fühlte oder nicht, ob sich auf dem Papier eine Geschichte ergab oder nicht, ob ihm das Geschriebene gefiel oder nicht. Er tippte. Und das jeden Tag. Ein New York Times Artikel von 1992 beschriebt seine bedingungslose Arbeitsroutine:

His usual routine was to awake at 6 A.M., sit down at the typewriter by 7:30 and work until 10 P.M.

In „In Memory Yet Green,“ the first volume of his autobiography, published in 1979, he explained how he became a compulsive writer. His Russian-born father owned a succession of candy stores in Brooklyn that were open from 6 A.M. to 1 A.M. seven days a week. Young Isaac got up at 6 o’clock every morning to deliver papers and rushed home from school to help out in the store every afternoon. If he was even a few minutes late, his father yelled at him for being a folyack, Yiddish for sluggard. Even more than 50 years later, he wrote: „It is a point of pride with me that though I have an alarm clock, I never set it, but get up at 6 A.M. anyway. I am still showing my father I’m not a folyack.“

2. Fokus
Asimov machte das Schreiben zu seiner einzigen Priorität. Und für diese Priorität setzte er alles ein, was er hatte. Das Schreiben war sein Baby. Und niemand durfte seinem Baby zu nahe kommen. Asimov meinte in einem Interview: „I do all my own typing, my own research, answer my own mail. I don’t even have a literary agent. This way there are no arguments, no instructions, no misunderstandings. I work every day. Sunday is my best day: no mail, no telephones. Writing is my only interest. Even speaking is an interruption.“

3. Einfachheit
Asimovs Schreibstil war weder opulent noch pompös, noch bunt, noch besonders aufregend, sondern einfach, funktional und geradlinig. Dekoration war für ihn Zeitverschwendung. „Isaac says that he loves to fly into space and span the galaxies“, wie der Editor Ben Bova feststellte. „But only in his imagination.“

4. Resilienz
Die einfache Schreibweise, das Vermeiden von komplexen Ausführungen, das Fehlen von intellektueller Selbstdarstellung stiessen in weiten Kreisen auf Abneigung. Aber Asimov kümmerte sich nicht um kritische Stimmen. Er arbeitete. 1980 schrieb James Gönn über I, Robot:

“Except for two stories [of Asimov]—”Liar!” and “Evidence”—they are not stories in which character plays a significant part. Virtually all plot develops in conversation with little if any action. Nor is there a great deal of local color or description of any kind. The dialogue is, at best, functional and the style is, at best, transparent… The robot stories and, as a matter of fact, almost all Asimov fiction—play themselves on a relatively bare stage.”

5. Leidenschaft
„I have been fortunate to be born with a restless and efficient brain, with a capacity for clear thought and an ability to put that thought into words,“ kommentierte einst Asimov sein Talent. „None of this is to my credit. I am the beneficiary of a lucky break in the genetic sweepstakes.“ Aber Asimov liebte seine Arbeit, er liebte das Schrieben.

„Writing is more fun than ever. The longer I write, the easier it gets.“

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Tableau I, Piet Mondriaan, 1921

“You just get up early in the morning, you work really hard, you learn something every day, you put one foot in front of the other“, wie Charlie Munger pragmatisch formulierte, „and if you live long enough, eventually you will get what you deserve.” Das ist alles. Mehr braucht es nicht. Mehr gibt es nicht. Alles, was wir tun können, ist die Zeit einzusetzen, die wir haben. Das Resultat liegt ausserhalb unserer Reichweite.