Meinungen, Multi-Kulti und Massstäbe

“How much do you value life?”
“Sixty-four.”
“Why did you say sixty-four?”
“How are you supposed to measure the value of life?”
“No, I mean why did you say sixty- for and not seventy-three, for instance?”
“If I had said seventy-three you would have asked me the same question.” 1

Mindestens seit der Etablierung des Internets als Diskussionsplattform muss uns klar geworden sein, dass jede Behauptung, egal welcher Art, in Frage gestellt werden kann. Für jedes Thema, jede Feststellung und jede Seite einer jeden Diskussion kann so oder so argumentiert werden.

Ob Politik, Religion oder Ehtik – es gibt keine einheitliche Meinung. Auch die Wissenschaft ist oft nicht mehr als ein Schlachtfeld von Hypothesen, Annahmen und Behauptungen.

Wir sind uns nicht einig, weil wir an unterschiedliche Dinge glauben. Und wir werden uns niemals einig sein, weil wir nicht endgültig beweisen können, wer Recht hat. Bis wir die Welt, das Leben auf der Welt und was es sonst noch alles gibt, nicht zu 100% entschlüsselt haben, bleibt alles eine Annahme, eine Meinung. (Was natürlich nicht bedeutet, dass jede Meinung gleichwertig ist.)

„Scientific knowledge is a body of statements of varying degrees of certainty – some most unsure, some nearly sure, but none absolutely certain.” 2

1791 beschloss ein obskures französisches Wissenschaftskommitee die Einführung einer universellen Längeneinheit. Aus dem zehnmillionsten Teil des Meridianbogens zwischen Nordpol und Äquator war der „Urmeter“ geboren. Dass selbst der moderne Massstab vor nicht allzu langer Zeit willkürlich festgelegt wurde, ist auf kuriose Weise eine sehr befreiende Tatsache.

Weil aber nichts (so wirklich) definitiv ist, können wir uns den Luxus erlauben, unsere Meinungen zu ändern und unser Glaubenssystem so anzupassen, dass es für unsere individuellen Ziele förderlich ist. Wir können an das glauben, was funktioniert. (Zumindest kann es uns niemand ausreden.)

«Die Welt beruht auf Wechsel, das Leben auf Meinung.» – Marcus Aurelius

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Aus Richard Feynmans aussergewöhnlichen Anekdotensammlung Surely You’re Joking M. Feynman. Ausschnitt aus der psychiatrischen Untersuchung des Physikers für den Militärdienst.
Zitat aus Feynmans öffentlicher Rede The Value of Science von 1955. Abgedruck in: What Do You Care What Other People Think?