«Kessel-Logik» oder das Bedürfnis, sich noch etwas besser erklären zu müssen

Sigmund Freud (1856 – 1939) erzählt in seinem Werk zur Traumdeutung die humoristische Geschichte eines Mannes, der von seinem Nachbarn einen Kessel ausgeliehen hat. Der Nachbar beschuldigt den Mann, ihm den Kessel in einem beschädigten Zustand zurückgegeben zu haben. Völlig entrüstet äussert der Angeklagte zu seiner Verteidigung die folgenden drei Argumente

1. Er habe den Kessel unbeschädigt zurückgegeben.
2. Der Kessel sei bereits beschädigt gewesen, als er ihn ausgeliehen habe.
3. Er habe den Kessel überhaupt nicht ausgeliehen.

Die „Kessel-Logik“ ist eine Aneinanderreihung von Argumenten, welche untereinander inkonsistent sind. Auf der einen Seite ist es eine unsinnige Taktik, um ein Gegenüber von seinem Standpunkt zu überzeugen, weil die Aussagen unmöglich alle zugleich wahr sein können. Auf der anderen Seite steht die „Kessel-Logik“ sinnbildlich für die emotionale Seite unseres Gehirns. 

Oft haben wir das Gefühl, nicht genug gesagt zu haben, eine Ausführung schuldig zu sein. Möglicherweise ist unsere Meinung noch nicht klar geworden. Oder vielleicht haben wir das Wichtigste ausgelassen. Deshalb machen wir mit Absicht mehr, aber bewirken dadurch weniger.

Vektor Zeichnung nach Sophie Taeuber-Arps Composition à croix brisée von 1932 (Quelle)


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