In situ

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Bild von Kellars berühmte Enthauptung und schwebenden Kopfbeschwörung

Van Goghs Sternennacht hängt zurzeit in der Dauerausstellung des MoMAs in New York. Nächste Woche könnte das Werk aber theoretisch verpackt, versendet und im Tate in London ausgestellt werden. In zwei Monaten könnte es an einer Wand im Rijksmueum in Amsterdam hängen. Nächstes Jahr könnte es im Museo del Prado in Madrid Kunstliebhaber begeistern. Von Land zu Land, von Museum zu Museum, von Publikum zu Publikum. Kunst in Bilderrahmen funktioniert in jedem Raum mit genügend Platz und guten Lichtverhältnissen.

Ebenfalls in New York befindet sich das Memorial Reflecting Absence an der ehemaligen Stelle des World Trade Centers. Die Gedenkstätte kann allerdings nicht ausgegraben und an einem anderen Ort ausgestellt werden – selbst wenn es logistisch vermutlich möglich wäre. Reflecting Absence würde weder in London noch in Amsterdam oder Madrid Sinn machen. Das Memorial ist eine Kunstinstallation, die nur am Ground Zero funktioniert. Es bezieht sich auf diesen Ort, seine Geschichte und seine Erinnerung. Es ist in situ.

In situ ist natürlich nicht nur in Bezug auf Kunst relevant. Der Begriff beschreibt ein Bewusstsein für den Kontext und eine bestimmte Herangehensweise an eine Fragestellung: Was ist vorhanden und was kann ich daraus machen? Wie kann ich das Bestehende aufnehmen und etwas dazu beitragen? Wie kann ich die Perspektive verändern und das Erlebnis formen? Wie mache ich aus Existierendem etwas Neues?

In situ ist nicht wiederverwendbar, nicht effizient und nicht praktisch. In situ ist aufwendig und spezifisch. Aber in situ ist wirksam.