«Ich schreibe ausgesprochen ungern … »

Geschriebenes

Im Anschluss an den gestrigen Beitrag erinnerte ich mich an das Gespräch mit einem renommierten Publizisten und Essayisten, der überraschenderweise folgenden Satz von sich gab:

«Ich schreibe ausgesprochen ungern und weiss eigentlich gar nicht, wie das geht.»

Eine eigenartige Äusserung. Besonders von jemandem, dem Sprache jeweils in vollendeter Prosa aus den Fingern zu fliessen scheint.

Er schreibe zwar ungern, so fuhr er fort, aber das Schreiben helfe ihm. Es sei für ihn ein Werkzeug, um die Stimmen in seinem Kopf zu ordnen. Durch das Schreiben könne er herausfinden, was er denke. Und im Geschriebenen sehe er schliesslich, ob das, was sich sinnvoll anfühlte, es auch tatsächlich ist.

Das Schreiben ist nicht nur Resultat, nur These, nur Inhalt. Das Schreiben ist vor allem auch der Weg dahin.


Bild: Hill shading guideline aus Draughtsman’s Alphabets von Hermann Esser (1845–1908). (Quelle)