Verzerrung

Geschriebenes

Wenn man sich Michealangelos David in der Galleria dell’ Accademia in Florenz nähert, sticht ins Auge: Der Körper sieht sieht irgendwie kümmerlich aus. Die Proportionen wirken komisch. Und das Ganze erscheint (wenn auch nur im Ansatz) unharmonisch.

Geht man allerdings einige Schritte weiter, bleibt direkt vor der Statue stehen und blickt dem Männerkörper empor, setzten sich die Gliedmaßen wie bei einem Puzzle zusammen und aus dem Marmor beginnt Leben zu tropfen – ein Meisterwerk!

David ist kein Ebenbild der Natur, sondern ein künstlerisches Produkt, ein Trugbild. Michelangelo hat die perspektivische Verzerrung eingeplant, um eine aussergewöhnliche ästhetische Erfahrung aus einer bestimmten Betrachtungsperspektive zu ermöglichen. Dass David dabei in keiner Weise echt ist, geht mit offenem Mund vergessen. Es fühlt sich echter an. Und das soll auch so sein?


Gif: Eigenkreation aus Torso of the Oldest Style Found Near Megara (1862) von der Gazette Des Beaux-Arts – Quelle.