«My stories are not like a box of spaghetti» – Moebius und der kreative Akt des Verstehens

Geschriebenes

Gäbe es ein Rezept für dem Umgang mit Kunst, würde uns wohl ziemlich schnell der Hunger vergehen. Denn wie die französische Comic-Legende Jean “Moebius” Giraud im Vorwort zu The World of Edena festhält, liegt die Freude nicht nur in der kreativen Geschmackskombination auf der eigenen Zunge, sondern in erster Linie darin, nach essbaren Zutaten zu suchen. Selbst wenn dafür in Kauf genommen werden muss, dass einige ohne Anleitung bei knurrendem Magen nichts zwischen die Zähne bekommen:

I never give the keys to my stories. My stories are not like a box of spaghetti, and they don ‘t come with instructions on how long you must put them in boiling water before you eat. I deliberately never help anyone, because if I do that , I feel I’m undercutting the pleasure of the reader: one’s freedom to find in my stories what they find interesting. Besides, if I’m so proud of my work , it must be allowed to stand alone. I must tell the reader: “I’ve done my part, now it’s your turn to be creative!”

Der Vorteil von Rezepten ist, dass man weiß, was dabei herauskommt. Ihr Nachteil ist hingegen, dass man weiß, was dabei herauskommt.


Literatur: Giraud, Jean “Moebius”: The World of Edena, Milwaukie 2016, “Introduction”.
Bild: Ausschnitt aus Indianische Bilderschrift. Bilderschrift (Wabino-Gesang) der Odschibwa-Indianer (1897) des Bibliographischen Instituts in Leipzig – Quelle.