Sechsfach «intuitiv»

Geschriebenes

Spricht man von Intuition, weiß jede und jeder intuitiv, wovon die Rede ist. Wagt man allerdings einen Blick in die Philosophiegeschichte, wird klar, dass die Begrifflichkeit anscheinend doch nicht so intuitiv ist. Glücklicherweise findet sich im Werk des schottischen Common-Sense Philosophen Thomas Reid (1710–1796) eine kleine Liste, die Intuition in sechs Bedeutungen auffächert:

  • Intuition ist die Wahrnehmung eines aktuell gegenwärtigen Objektes im Gegensatz zur Erkenntnis eines Objekts in der Vorstellung oder Erinnerung.
  • Intuition beschreibt das direkte Begreifen eines Dings an sich entgegen der medialisierten Repräsentation davon.
  • Unter Intuition versteht man erfahrenes Wissen im Gegensatz zu symbolischem, das nur mittels Zeichen oder Worte erfasst werden kann.
  • Mit Intuition meinen wir objektive Wahrnehmung gegenüber subjektiver Sinnlichkeit im Bewusstsein.
  • Intuition bezieht sich auf die einfache Auffassung eines Begriffs wider der komplexen Auffassung der Termini einer logischen Proposition.
  • Intuition ist die unmittelbare Bejahung einer Tautologie durch die Vernunft.

Ist deine Auffassung von Intuition aufgeführt? (Ganz intuitiv würde ich vermuten: Kaum.)


Literatur: Reid, Thomas: The Works of Thomas Reid. Band 2. Herausgegeben und kommentiert von Sir William Hamilton. Reprint der Ausgabe von 1863. Bristol 1999, S. 759. 

Bild: «Vague Intellectual Pleasure» aus Thought-forms (1905) von Charles Webster Leadbeater – Quelle.