Eine Außenperspektive auf Gedanken

Geschriebenes

In einem Gedankenexperiment soll via der Vorstellungskraft ein Beweis für eine bestimmte Hypothese hervorgebracht werden. Das Problem daran ist, dass es sich bei Gedankenexperimenten nicht um Experimente im wissenschaftlichen Sinn handelt.

Ein wissenschaftliches Experiment (lat. experīmentum ‘Versuch, Probe, Erfahrung, Beweis’,) ist ein methodisches Verfahren zur Datenerhebung: Es funktioniert (1.) nach einer dokumentierten Vorgehensweise, die (2.) eine Wiederholbarkeit des Versuchs garantiert und (3.) nach objektiven Kriterien ein (4.) gültiges Resultat produzieren kann.

Weil in einem Gedankenexperiment per Definition keine Außenperspektive eingenommen werden kann, bleiben alle Kriterien eines Experiments unerfüllt – in anderen Worten: Aus wissenschaftlicher Perspektive passiert irgendwie irgendetwas.

Lässt man aber die Subjektivität, Singularität und Kontextualität des Denkens zu, hat man es mit etwas zu tun, das weit über das Labor hinausgeht. (Das könnte vielleicht sogar experimentell überprüft werden.)


Bild: Ausschnitt aus Varietenummer 9: Aldo Mario Brasso, Todessprungkünstler (1907) von Moriz Jung – Quelle.