Im Nebeneinander

Geschriebenes

In David Eaglemans Sum: Forty Tales from the Afterlives finden sich zwischen zwei Buchdeckeln 40 fiktive Szenarien über das, was nach dem Tod auf uns warten könnte. Was mich an diesem Büchlein fasziniert, ist nicht nur die kreative Leistung, 40 vollkommen verschiedene und gleichzeitig kohärente sowie köstlich amüsante Antworten auf dieselbe Frage zu formulieren. Der Grund, weshalb Sum seit Wochen auf meinem Nachttisch liegt, ist das freche Format der Sammlung: Die illustrierten Szenarien widersprechen sich und fordern sich heraus. Es kann sich aber keine Hierarchie etablieren, es werden keine Sieg errungen und keine Niederlagen provoziert. Alles was Eagleman tut, ist, Alternativen aneinanderzureihen und unkommentiert stehen zu lassen. Der Rest ergibt sich im Prozess des Lesens und Wiederlesens; innerhalb der präsentierten Möglichkeiten, dazwischen und darüber hinaus; im Einzelnen, im Nebeneinander, im Zusammen.


Bild: Detail der Illustration des Théâtre du Vaudeville (ca. 19. Jh.) von Dorgès – Quelle.