Denkbrocken Communitygeschichte

Geschichte

Teil 1 (Dezember 2019, anonyme*r Autor*in)

Die Höhle führte in ein Steinmassiv auf dem Hügel ausserhalb eines lau belebten Dörfchens im Osten. Der Eingang war umrahmt durch die knorrige Wurzel eines alten Laubbaumes, der schrullige Schatten auf den Abhang warf. Der Stein war mit Flechten und Moos überzogen. Auf dem Boden vor der Höhle lag eine Schicht aus Kieseln und Sand, die leicht knirschte, wenn man sich darauf stellte. Aus dem Hohlraum kam ein leises Rauschen, wie ein kleiner Bach oder eine grosse Muschel, die man sich ans Ohr hielt. Der Durchmesser der Öffnung war ungefähr so gross, dass ein 10-jähriges Mädchen mit geneigtem Kopf aufrecht hineinlaufen könnte. Aber in die Höhle hinein ist vorher noch niemand gegangen.

Teil 2 (Januar 2020, anonyme*r Autor*in)

Oder so wurde das Emma zumindest erzählt. Aber sie hatte das Gefühl, dass niemand wirklich die Wahrheit kannte. Den Schauermärchen von bösen Zwergen, feuerspeienden Drachen, verzauberten Seen und Efeuranken so dick wie Würgeschlangen, die sich in der Höhle befanden, glaubte sie schon lange nicht mehr. Und dass der Bergarbeiter log, der immer damit prahlte, dass sein Grossvater einst einen schädelgrossen Smaragd in dieser Höhle geschürft hatte, war offensichtlich. Denn obwohl der Stein angeblich mehr wert war als ein ganzes Königreich, trug der Mann immer den gleichen durchlöcherten Strickpullover und die gleichen abgelaufenen Schuhe. Er wurde halt gestohlen. Das war die Ausrede des Bergarbeiters. Aber Emma glaubte ihm kein Wort.

Teil 3 (Februar/März 2020, anonyme*r Autor*in)

Emma kannte die Welt. Sie war schliesslich schon drei Jahre in der Schule. Im Rechnen war sie die Beste ihrer Klasse. Sie konnte die Hauptstädte aller Länder benennen, sie verstand, wie Fische unter Wasser atmen und weshalb der Himmel blau ist. Sie wusste viel. Ja, oft hatte sie gar das Gefühl, sie wisse mehr als alle Erwachsenen. Gestern hatte Emmas Vater von einem Buch erzählt, das er gerade liest. Ob das dann auch wirklich so stattgefunden hat, hatte sie ihn gefragt. Nein nein, hatte der Vater gemeint, das sei alles erfunden. «Immer das Gleiche», murmelte Emma vor sich hin, als sie auf dem Hügel ausserhalb des Dörfchens mit ihrem Sackmesser Zahlen in die Rinde eines alten Baumes ritzte. «Bücher, Märchen, Höhlen. Alles gelogen.» Da streifte ihr plötzlich eine seltsam kühle Brise durchs Haar.

Teil 4 (April 2020, barbaramariechen@gmx.at)

Natürlich, meine Brüder! Das war ihr erster Gedanke, hatte sie doch ganze fünf von ihnen. Emma war das einzige Mädchen der Familie. Nur ganz selten durfte sie mit ihren Brüdern spielen und auch nur dann, wenn Not am Manne war. Deshalb verbrachte sie viel Zeit im Wald rund um das Dorf und kannte ihn wie ihre Westentasche. Das dachte sie zumindest.
Nein, sie sah niemanden, als sie um sich blickte. Die kühle Brise ließ die Blätter der Büsche und Bäume raunen und rauschen. Da fiel Emma auf, daß deren Blätter eine schmale Schneise nach Süden formten. Der restliche Wald war ruhig. Zu ruhig? Ein bißchen komisch war das schon.

Teil 5 (Mai/Juni 2020, T)

Emma saß an ihrem Lieblingsplatz auf einem rundlichen Stein unter der größten Tanne am Waldrand. Das Dickicht gewährte ihr Ruhe vor all dem Unsinn, den sie täglich hörte. Stand sie aber auf, konnte sie ihr gesamtes Dorf überblicken. Doch jetzt war Emmas volle Aufmerksamkeit auf den Weg vor ihr gerichtet. Sie hatte erwartet, dass die schmale Schneise mit dem nächsten Windstoß wieder verschwinden würde. Aber nichts dergleichen geschah. Emma wusste selbstverständlich, dass dies nichts Unnatürliches sein musste. Trotzdem wurde sie neugierig. Sie sprang auf und lief los.

Teil 6 (Juli 2020)

Anleitung


Wir schreiben gemeinsam eine Geschichte.

Wovon diese Geschichte handelt, wer bei dieser Geschichte mitspielt, welchen Weg die Geschichte einschlagen und wann sie enden wird – das wissen wir noch nicht.

Alles, was wir wissen, ist, dass die Geschichte jeden Monat einen Abschnitt länger wird. Damit die Geschichte aber länger werden kann, muss sie jemand weiterschreiben. Dieser Jemand bin aber nicht ich, sondern Du und alle anderen, die Teil eines tollen, kollektiven und langfristigen Kreativprojektes werden möchten. Alles Weitere werden wir über die nächsten Monate herausfinden und uns erschreiben.

Jeden Monat werde ich den aktuellen Abschnitt der Geschichte im Newsletter und auf der Homepage publizieren und zum gemeinsamen Weiterschreiben aufrufen. Aus den eingereichten Fortsetzungen werde ich dann einen (oder ggf. mehrere) auswählen, – wenn nötig – editieren und veröffentlichen.

Die Texteingabe funktioniert über die obenstehende Eingabemaske oder über dieses Google-Formular. Die Beiträge sind somit nur für mich persönlich einsichtlich. Du und alle Schreibenden haben die Möglichkeit, ihre Textbeiträge entweder unter dem eigenen Namen mit Verlinkung zu einer gewünschten Website oder anonym einzureichen.

Vielleicht wird sich die Geschichte irgendwann aufteilen und parallel verschiedene Handlungsstränge verfolgen. Vielleicht werden irgendwann die eingereichten Beiträge zur Abstimmung veröffentlich. Vielleicht wird irgendwann ein/e Illustrator/in aufspringen und die Geschichte bebildern. Und vielleicht gibt es daraus irgendwann einmal ein Buch. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt (genauso wie meine Neugierde) …


Comments

  1. Hi Fabio,

    Ich habe schon lange darauf gewartet, dass jemand so etwas in der Art ins Leben ruft. Danke, dass du diese Rolle übernommen hast 🙂

    Grüsse,
    Pia

  2. Partizipation, Mitbestimmung, offener Prozess – ob das gut kommt? Ich hoffe es!

    Grüsse
    Klaus

  3. Ich habe eine Fortsetzung geschrieben. Wann kriegt man Bescheid, ob der eigene Text ausgewählt wurde?

    lg, Agnes

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