Website-Icon Denkbrocken

Physikotheologie

Positions of the Hands (1910) from the work of Joseph Gibbons Richardson (1836-1886). Drawings of hand gestures for sign language. Digitally enhanced from the original plate.

Was wie ein schräger Neologismus klingt, war ein ernsthafter Versuch des 17. und 18. Jahrhunderts, durch empirische Methoden die manifestierte Macht Gottes in seinen Kreationen sichtbar zu machen. Bei der Physikotheologie handelte es sich – einfach gesagt – um Naturforschung in Einklang mit der christlichen Metaphysik.

Allerdings muss man nicht sehr genau hinschauen, um zu realisieren, dass es dabei nicht darum ging, sich zwei Wissens- und Untersuchungsgebiete auf Augenhöhe begegnen, herausfordern und befruchten zu lassen. Die Physikotheologie verfolgte eine klare Agenda: Die wissenschaftlichen Beobachtungen waren Lobpreisungen des Herrn. Es war instrumentalisierte Naturwissenschaft im Dienste der Theologie.

Auch wenn dieses historische Beispiel der Physikotheologie aus heutiger Perspektive versagte, bedeutet das nicht, dass sich nicht zwei konträre Disziplinen gegenseitig die Augen öffnen und weiterbringen könnten. Schnittstellen sind wertvoll. Besonders, wenn man bedacht mit ihnen umgeht.


Bild: Ausschnitt aus Positions of the Hands (1910) von Joseph Gibbons Richardson – Quelle.

Die mobile Version verlassen