In der Geschichtsschreibung stehen wir vor einer grundsätzlichen Frage: Womit bewerten wir die Vergangenheit?
Entweder greifen wir auf Begriffe und Denkweisen, die den Menschen damals zur Verfügung standen. So bleiben wir der historischen Perspektive treu und vermeiden es, der Geschichte unzeitgemäße Interpretation aufzuzwingen. Oder wir nutzen aktuelles Wissen und Konzepte, um rückblickend eine Ordnung freizulegen oder Strukturen zu entdecken, die ein tieferes Verständnis ermöglichen können, vielleicht sogar tiefer, als es den Zeitgenossinnen und Zeitgenossen möglich war.
Die wahrscheinlich pragmatischste Lösung ist jedoch, sowohl die historischen Sichtweisen anzuerkennen als auch die Möglichkeiten der heutigen Analysewerkzeuge zu nutzen. Denn warum auf etwas verzichten, wenn beide Herangehensweisen zu unserem Verständnis der Vergangenheit beitragen können?
Bild: Detail aus Costumes Parisiens, No.164: Costume de Yacht from Journal des Dames et des Modes (1914) von George Barbier – Quelle.

