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Wissen entsteht im Tun

Wissen entsteht nicht erst im Kopf und wird dann zu Papier gebracht. Es entsteht mit dem Papier – beim Notieren, Skizzieren, Durchstreichen, Verschieben.

Schreiben und Zeichnen sind deshalb keine bloßen Mittel zur Darstellung von Erkenntnissen, sie sind Teil des Erkenntnisprozesses selbst, wie Christoph Hoffmann in Wissen im Entwurf von 2008 auf den : «Schreiben und Zeichnen müssen […] als epistemische Verfahren verstanden werden, die im Akt der Aufzeichnung an der Entfaltung von Gegenständen des Wissens teilhaben» (S. 7).

Wer etwas aufschreibt, bringt nicht einfach Gedanken in Form, sondern entwickelt sie dabei. Wer zeichnet, analysiert nicht nur, sondern setzt in Beziehung, selektioniert und betont. So verstanden entsteht Wissen im Ansetzen des Stifts, im Zögern beim Formulieren, im Verwerfen von Plänen, im Darstellen und Umgestalten von Gedanken.

Weil man nicht nur schreibt, was man denkt, sondern denkt, indem man schreibt, hängt das, was wir denken können, davon ab, wie wir es festhalten. (Es wäre deshalb vielleicht gar keine schlechte Idee, mal wieder Stift und Papier zur Hand zu nehmen.)


Literatur: Hoffmann, Christoph: Wissen im Entwurf. Strategien epistemischer Bildlichkeit. Zürich: Diaphanes, 2008.
Bild: Detail aus der Serie Studieblad met tekenvoorbeelden: koppen, lichaamsdelen en dieren
Tekenvoorbeelden
(1610 – 1630) von Michael Snijders, The Rijksmuseum – Quelle.

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