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Blickfelder

1977 entdeckte das Tauchboot «Alvin» nahe der Galapagosinseln in ca. 2400 m Tiefe sogenannte Hydrothermalquellen. Das sind vulkanartige Unterwasserquellen am Meeresboden, meist entlang von Kontinentalplatten, an denen durch tieferliegende Basalt- und Magma-Zonen aufgeheiztes Wasser ausgestoßen wird. Indem das warme und mit Metallen und Mineralien angereicherte Quellwasser mit dem kalten Meerwasser in Berührung kommt, bilden sich schwefelhaltige schwarze Wolken. Trotz des extremen Drucks und völliger Dunkelheit bilden sich hier eigenständige, chemosynthetisch getragene Ökosysteme – an einem Ort, an dem niemand Leben vermutet hatte.

Diese bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckung war laut der Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes ein Nebenprodukt militärischer Tiefseeforschung. In den 1970er Jahren investierte die US Navy in ozeanografische Projekte – nicht aus wissenschaftlicher Neugier, sondern zur Verbesserung der U-Boot-Navigation und der strategischen Überwachung.

Oreskes spricht in diesem Zusammenhang vom «field of view» der Wissenschaften: Was wir erkennen, hängt davon ab, wonach wir Ausschau halten. Und wonach geforscht wird, hängt davon ab, wer dafür bezahlt.


Literatur: Oreskes, Naomi: A Context of Motivation: US Navy Oceanographic Research and the Discovery of Sea-Floor Hydrothermal Vents“. In: Social Studies of Science 33, Nr. 5 (2003), S. 697–742.

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