In Über Goetz von Berlichingen skizziert J.M.R Lenz die Herausforderung, als Individuum mit gesellschaftlichen Zwängen umzugehen. Auf der einen Seite bilde der Mensch ein austauschbares Rad in der Maschine der Gesellschaft:
«Wir werden geboren – unsere Eltern geben uns Brot und Kleid – unsere Lehrer drücken in unser Hirn Worte, Sprachen, Wissenschaften – irgend ein artiges Mädchen drückt in unser Herz den Wunsch es eigen zu besitzen, es in unsere Arme als unser Eigentum zu schließen, wenn sich nicht gar ein tierisch Bedürfnis mit hineinmischt – es entsteht eine Lücke in der Republik wo wir hineinpassen […] wir drehen uns eine Zeitlang in diesem Platz herum wie die andern Räder und stoßen und treiben – bis wir wenn’s noch so ordentlich geht abgestumpft sind und zuletzt wieder einem neuen Rade Platz machen müssen.»
Der Gegenpol des abhängigen Menschen bildet die ebenso erschütternde, resonanzfreie Wirklichkeit des autonomen Individuums:
«Wir sind alle in gewissem Verstand […] stumme Personen auf dem großen Theater der Welt, bis es den Direkteurs gefallen wird uns eine Rolle zu geben.»
Ob man sich seinem Umfeld fügt oder den gesellschaftlichen Mechanismen entzieht – man bezahlt einen Preis: Abhängigkeit macht uns austauschbar. Autonomie lässt uns verschwinden.
