Angststarre – zwischen Realität und Fiktion

Angst paralysiert.

Angst vor dem Scheitern. Angst vor dem Versagen. Angst vor der Kritik und vor dem Ausgelacht-werden.

Angst leitet unsere Entscheidungen: Angst hält uns auf der sicheren Seite. Angst schützt uns davor, uns zu exponieren und Risiken einzugehen.

Doch Angst hindert uns auch daran, gesehen zu werden, uns weiterzuentwickeln und Mitmenschen zu berühren.

Angst findet im Kopf statt. Oft liegt hinter der Angst keine existenzielle oder körperliche Gefahr. Die Angst, von der wir sprechen, ist fiktional. Angst entsteht durch die Erwartungen, die wir an uns stellen. Angst zeigt uns auf, was passieren könnte, wenn wir an diesen Erwartungen vorbeisegeln und auf dem Boden landen.

Doch wenn wir Angst umdrehen, dann haben wir keine Barriere mehr, sondern einen Kompass. Wovor wir Angst haben, das beschäftigt uns, das ist uns wichtig. Wie Tim Ferris – amerikanischer Autor, Unternehmer und Lifehacker – meint: “What we fear doing most is usually what we most need to do.”

Das klingt logisch, doch wie transformiere ich das Zittern vor Angst in aktives Handeln? Das Zittern impliziert bereits Bewegung. Jetzt muss ich diese Bewegung nur noch konzentrieren und nach vorne leiten.

Eine Methode, die sich auf die Stoiker des alten Roms zurückverfolgen lässt, ist die Visualisierung des Worst-Case-Szenarios. Dabei geht es nicht darum, sich die Hölle auf Erden zu fantasieren, sondern sich auf das zu besinnen, was faktisch passieren könnte.

Wenn alles schiefgehen würde, was nur schiefgehen kann – wie würde das aussehen?

Was wären die finanziellen, sozialen und gesundheitlichen Folgen meiner Entscheidung? Wäre diese Situation temporär oder permanent? Wäre dieser Zustand re- oder irreversibel?

Ist diese hypothetische Situation wirklich so schlimm und aussichtslos wie ich sie befürchtet habe?

«Nicht Tod und Elend sind furchterregend, sondern die Furcht vor Tod und Elend. »
– Epiktet

Wenn ich mir den absolut schlimmsten Fall ausgemalt habe, kann ich mich in einem zweiten Schritt darauf vorbereiten. Wie könnte ich vom Worst-Case möglichst schnell zum aktuellen Zustand zurückgelangen? Welche präventiven Vorkehrungen kann ich jetzt treffen, um diese Zeit zu verkürzen?

Was kann ich gewinnen, selbst wenn alles schiefläuft? Was sind Erfahrungen, Fertigkeiten und Beziehungen, die – trotz Scheitern – für die Zukunft wertvoll sein können.

Und zum Schluss: Was wäre die mögliche positive Konsequenz meiner Entscheidung? Was würde ich gewinnen, falls es funktionieren würde? (Das Verhältnis zwischen Up- und Downside ist vermutlich astronomisch.)

«I’ve had a lot of worries in my life, most of which never happened.»
– Mark Twain

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Image by Valerio Spisani