Wir wissen wie, aber wir wissen nicht wirklich wie.

200 Muskeln sind für das Sprechen verantwortlich. Dazu gehört die Muskulatur im Brustbereich, die einen gleichmässigen und kontrollierten Luftstrom aus der Lunge ermöglicht, bis hin zum beweglichen Muskellappen im Mundraum, der die Luft leitet, teilt, unterbricht oder einschränkt – unserer Zunge.

Irgendwie gelingt es uns, durch ein Zusammenspiel von Flexionen und Extensionen mit dieser Vielzahl an Gewebe nicht nur Geräusche zu erzeugen, sondern gezielt Laute zu produzieren, die von einem Gegenüber verstanden werden können.

Seit Jahrzehnten versuchen Linguisten, diese hochkomplexe Symphonie zu entschlüsseln und die unterschiedlichen Laute, aus denen sich unsere Sprache zusammensetzt, den verschiedenen Artikulationsorganen zuzuordnen.

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© 2018 IPA (Quelle)

Was hier abgebildet ist, ist das phonetische Alphabet der Konsonanten. Die horizontalen Kategorien bezeichnen die Orte, wo die Laute generiert werden und die vertikalen Kategorien beschreiben die Art, wie der Luftstrom aus der Lunge eingesetzt wird. So ergibt sich für jeden Konsonanten eine individuelle Kombination.

Wenn wir [m] aussprechen, dann erzeugen wir einen konstanten Luftstrom. Das Velum hebt sich, wir pressen die Lippen zusammen (Bilabial) und lassen die Luft durch die Nasenlöcher (Nasal) ausströmen. Sagen wir ein [t], so positionieren wir die Zunge am flachen Stück des harten Gaumens hinter den Zähnen (Alveolar) und lassen die Luft explosionsartig aus dem Mund entweichen, indem wir die Zunge vom Gaumen lösen (Plosiv).

So weit scheint diese Kategorisierung richtig. Doch klemmen wir uns beim Sprechen einen Bleistift zwischen die Zähne, dann geschieht etwas Sonderbares. Auch wenn es nicht mehr möglich ist, die Zähne oder Lippen zu schliessen, die Zunge in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist und ein Teil der Gaumenmuskulatur kontrahiert ist, so funktioniert das Sprechen immer noch ohne grosse Schwierigkeiten. Der Körper ist in der Lage, diese Einschränkung zu kompensieren.

Unser Artikulationsapparat ist derart komplex, dass wir nicht wissen, welche Organe tatsächlich und in welcher Weise für die Lauterzeugung verantwortlich sind. Wir können Messungen durchführen, Beobachtungen festhalten, Theorien formulieren, aber wir wissen nicht. Zumindest nicht wirklich.