Ablage

Geschriebenes

In Evernote habe ich ein Notizbuch mit dem Titel «Ablage». Das ist der Ort, wo alles landet, bevor es ausgemistet, kategorisiert, getagt und ins Notizbuch «Archiv» verschoben wird.

Die Idee hinter diesem System war, mir für eine korrekte Weiterverarbeitung und sinnvolle Ordnung meines digitalen Papierkrams Zeit zu nehmen. Anstatt jede Notiz nach ihrer Erstellung in einem beliebigen Notizbuch abzulegen, sollte ich in regelmässigen Abständen das Abgelegte revidieren und an einem idealen (und vor allem wiederauffindbaren) Speicherort deponieren.

Zurzeit befinden sich 1343 Notizen in der Ablage – ein undifferenziertes Gemisch aus Gedanken, Lesezeichen, Artikeln, Links, Screenshots, Scans, Mail, Quittungen, Garantien und Dokumenten der letzten zweieinhalb Jahre. Das ist zu viel. Viel zu viel.

Wie ist es dazu gekommen? Wahrscheinlich habe ich es das erste Mal vergessen. Das zweite Mal hatte ich vielleicht keine Zeit und das dritte Mal waren es schon zu viele Notizen, um das Ganze in einem Anlauf zu erledigen. Also habe ich die Aufgabe aufgeschoben. Und es kamen neue Notizen dazu.

So wuchs die Ablage und wurde schwerer und irgendwann wollte ich mir gar nicht mehr vorstellen, wie lange es dauern würde, jede dieser Notizen einzeln anzuschauen und zu ordnen. Also wartete ich weiter ab. Und die Negativspirale dreht und drehte und drehte sich in die gleiche Richtung.

Die Ablage ist deshalb anstelle eines Zwischenstopps zum Friedhof für Notizen geworden. Schuld daran ist niemand anderes als ich selbst. Ein System macht schliesslich nur dann Sinn, wenn es auch umgesetzt wird.

Ich reibe mir die Stirn und klicke auf die erste Notiz. Ich gebe ihr einen Titel, ordne sie dem richtigen Projekt zu und ergänze einige thematische Tags. Ging eigentlich ganz schnell. Bleiben noch 1342 übrig …


Bild: Bundle of Insects in their Envelopes from Moths and butterflies of the United States (1900) von Sherman F. Denton – Quelle.