Andere Kriterien

Geschriebenes

Vorher habe ich nach einem neuen Hörbuch gesucht. Es hat sich herausgestellt, dass dies schwieriger ist, als es sich im ersten Augenblick anhören mag. Ich meine natürlich, es ist schwieriger, als es auf den ersten Ton aussieht. Oder doch umgekehrt? Es hat sich auf jeden Fall gezeigt, dass meine Kriterien fürs Auge nicht mit dem Ohr kompatibel sind.

  • Während beim Lesen die Worte nur in der eigenen Stimme im Kopf nachhallen, ist das Erlebnis eines Hörbuchs maßgeblich von der Performance des Sprechenden abhängig.
  • Während dicke Wälzer wenigstens im Büchergestell gut aussehen, ist der Beigeschmack von zu langen Hörbüchern nur der bittere, dass man sie nie zu Ende hören wird.
  • Während ich mich mit einem Buch hinsetze, -liege oder -stehe, muss ein Hörbuch auch Bewegung standhalten können.
  • Während ich auf Papier anspruchsvolle Konstellation schätze, will ich bei einem Hörbuch nicht sofort den Faden verlieren, wenn ich einen Moment lang unaufmerksam bin.
  • Während sich kunstvolle Sätze und Worte in einem Buch räkeln dürfen, sind sie in gesprochener Form meist nur sperrige Hindernisse.
  • Während ich in einem Buch bei stichhaltigem Inhalts teilweise auf gutes Storytelling verzichten kann, ist ein Hörbuch ohne fesselnde Geschichte nur Lärm.

Ein Buch zum Lesen ist etwas anderes als ein Buch zum Hören. (Selbst wenn der gleiche Titel auf dem Cover steht.)

Wir hören uns …


Bild: Ausschnitt aus Conductor with violins and smoking chimneys behind (1895) von Jan Toorop – Quelle.