Abschrift, 10.3.21

Geschriebenes

[…] wie ließe sich eine solche ecriture wohl lesen? Weil sich meine Sauklaue aber kaum entziffern lässt, müsste der Text zuerst transkribiert werden und das wäre ziemlich schmerzhaft. Dann müsste nämlich über die ganze Inadäquatheit, alle Fehler mitsamt dem Dreck und Staub hinweggesehen werden, der sich hier auf dem Papier angesammelt hat. Aber weshalb auch nicht? Es wäre schließlich das Abbild einer Schreibstufe, die keiner Publizierung standhalten muss. Und würde sie doch sichtbar gemacht, könnte man daran die Direkt- und Ehrlichkeit des ersten Strichs, der jungfräulichen Linie nachverfolgen. Sollte man dabei von einer Entmystifizierung sprechen oder wäre es genau das Gegenteil davon, weil im Zeigen des Unzeiglichen das Ungenügen selbst zelebriert und erhöht wird? […]

Transkription einer Passage aus dem eigenen Notizbuch vom 10.3.21. Nur für eine private Öffentlichkeit gedacht.

Bild: Ausschnitt aus Padre Sebastiano (ca. 1904–1906) von John Singer Sargent – Quelle.