Cover

Geschriebenes

Während der Schulzeit verschlang ich massenweise Fantasyromane. Das sind jene Bücher, auf denen sich entblößte Kriegerinnen auf Drachenschuppen räkeln oder kitschig überzeichnete Elfen im Schein des violetten Mondlichts durch verwunschene Wälder schleichen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wie oft meine Lieblingslektüren abschätzige Blicke geerntet hatte. Wie sich das aber anfühlen musste, konnte ich kürzlich nachvollziehen, als ich in einem vollen Zugabteil für ein Seminar das Kommunistische Manifest vorbereitete.

Die Buchdeckel haben zwar nicht im Geringsten etwas mit den immersiven Universen oder dem historischen Gedankengut zu tun, aber sie erlauben offenbar, eine*n Leser*in entweder als Weirdo oder Kommunist zu entlarven. Will man also unangenehmen Gesprächen über Marx oder Spitzohrige in Lederkorsetts ausweichen, liest man solche Bücher am besten zuhause, hinter der geschlossenen Zimmertür, unter der Bettdecke. Oder man macht mit den Covern das, was sie eigentlich leisten sollten – man deckt sie ab.


Bild: Opera Hood (ca. 1936) von Melita Hofmann – Quelle.