Die Lust an der Ambivalenz

Geschriebenes

In meinem Studium gibts nichts Besseres als Vieldeutigkeit. Ambivalenzen triggern unseren konditionierten Problemlösungsinstinkt: Koalitionen bilden sich, bis an die Zähne mit Theoremen bewaffnet, um der Unklarheit den Krieg zu erklären. Man spricht von «produktiver Verunsicherung» und «Andockstellen» für Interpretationen. Es werden Verschwörungen formuliert, Geschichten zusammengebastelt und Begründungsmöglichkeiten erforscht, um – koste es was es wolle – Licht ins reizvolle Dunkel zu bringen.

Allerdings sollte man das Interesse am Undeutlichen mit Vorsicht geniessen. Denn diese Lust, auch wenn sie authentisch sein mag, ist doch eine existenzielle: Wäre unser Gegenstand klar und deutlich, gäbe es nämlich gar keinen Grund, in Aktion zu treten. Erst wo Unschärfe vorherrscht, da haben wir etwas zu tun.


BIld: Bokeh – Quelle.


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