Leseweisen
Geschriebenes
Lang dachte ich, man sollte nur Klassiker lesen. Diese haben immerhin den Test der Zeit überstanden und auch wenn Kanonisierungsprozesse nicht unproblematisch sind, bieten Klassiker die höchste Chance, in einer ungefilterten Gegenwart keinen Schund in die Finger zu kriegen.
Eine Freundin hat dieser Haltung schon immer widersprochen. Sie lese grundsätzlich nur politische Texte, ihr gehe es um etwas anderes. Sie sei der Überzeugung, dass Bücher Veränderung hervorrufen können. Und deshalb müsse man dorthin schauen, wo noch nichts gefestigt ist.
Einem Bekannten kommt jede Neuerscheinung auf den Tisch. Ob gut oder schlecht, lang oder kurz – er liest quer durch die Genres alles. Dafür hat er seine eigenen Gründe. Der wichtigste davon: Er arbeitet in der Literaturbranche und muss wissen, wer wann was veröffentlicht. Das ist sein Job.
Mein Nachbar liest gar nicht. Er mache es nunmal nicht gern, habe anderes zu tun und das sei ok so.
Diese Rundschau könnte noch eine Weile so weitergehen. Ich kenne Menschen, die nur historische Roman, nur Biographien oder nur Thriller lesen. Ich kenne Menschen, die lesen ausschließlich auf ihrem Kindle und andere, die hören Literatur nur über Kopfhörer. Worauf ich aber hinauswill: Lest Klassiker oder lest keine Klassiker. Aber meine Meinung war – wenn auch nicht falsch – bestimmt nicht richtig.
Bild: Hurray for books! Book week, November 12-18 (1961), The Library of Congress – Quelle.