Zusammendenken
Geschriebenes‘Historische Epistemologie‘ beschreibt einen Forschungsansatz, bei dem zwei Perspektiven zusammengebracht werden, die lange als unvereinbar galten.
Die Epistemologie (oder Erkenntnislehre) beschäftigt sich mit den Grundlagen und Voraussetzungen von Wissen. Sie setzt sich zum Beispiel damit auseinander, wie eine wissenschaftliche Erkenntnis zu Stande kommt und inwiefern ein Fakt Geltungskraft besitzt bzw. erlangt. Epistemologische Untersuchungen sind universal ausgerichtet und sollen Aussagen produzieren, die zu allen Zeiten an allen Orten gültig sind.
Nimmt man hingegen eine historische Perspektive auf Epistemologie ein, wird ihre Allgemeingültigkeit in Frage gestellt und davon ausgegangen, dass erkenntnistheoretische Grundsätze von sozialen und gesellschaftlichen Umständen abhängen. Epistemologische Regeln werden damit in zeitlichen und räumlichen Kontexten verortet.
Dieser Zusammenschluss beider Perspektiven führt vor, dass selbst so etwas wie die Vorstellung einer klaren Trennung zwischen Notwendigem und Kontingentem als Produkt ihrer Zeit verstanden werden muss. Und lässt die Option offen, dass selbst das, was wir über historische Epistemologie zu glauben wissen, vielleicht nur für eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort Sinn macht.