Skepsis und Vertrauen

Geschriebenes

«Ja, wir werden alles, alles noch einmal in Frage stellen», lautet die viel zitierte Stelle des Protagonisten in Bertolt Brechts Das Leben des Gallilei. «Und wir werden nicht mit Siebenmeilenstiefeln vorwärtsgehen, sondern im Schneckentempo. Und was wir heute finden, werden wir morgen von der Tafel streichen und erst wieder anschreiben, wenn wir es noch einmal gefunden haben. Und was wir zu finden wünschen, das werden wir, gefunden, mit besonderem Mißtrauen ansehen.»

Brechts Gallilei tritt als personifiziertes Ethos der Wissenschaft auf und fordert selbstkritisch, die eigenen Vermutungen und – durch transparente Methoden gewonnenen – Ergebnisse fortlaufend auf den Prüfstand zu stellen. Dabei wird jedoch oft weggelassen, dass bei Brecht die wissenschaftliche Skepsis nicht um ihrer selbst willen existiert, sondern einen Zweck verfolgt. Aus einer außergewöhnlichen Sorgfalt im Umgang mit Wissen könne nämlich ein ebenso außergewöhnliches Vertrauen in die gewonnenen Erkenntnisse erwachsen:

«Sollte uns dann aber jede andere Annahme als diese unter den Händen zerronnen sein, dann keine Gnade mehr mit denen, die nicht geforscht haben und doch reden.»


Bild: Masks worn during experiments with plague. Manila, Philippines (1912), National Museum of Health and Medicine – Quelle.


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