Verliebtsein und Herzklopfen: Wenn wir uns nicht mehr auf die eigenen Gefühle verlassen können

Können wir uns unserer Gefühle sicher sein? Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Studie von Hariri AR, Bookheimer SY und Mazziotta JC aus dem Jahr 2000. Sie beobachteten die Reaktionen einer Testgruppe von jungen Männern, die eine Hängebrücke überquerten. Eine junge, attraktive Frau führte mit den Männern eine Umfrage durch. Die Hälfte der Testgruppe wurde auf der Hängebrücke befragt, die andere Hälfte kurz nach der Überquerung. Im Anschluss an die Umfrage gab die junge Frau ihre Telefonnummer. Die Männer können sich bei ihr melden, falls sie noch zusätzliche Informationen zur Befragung erhalten möchten. Jene Männer, die auf der Hängebrücke angesprochen wurden, meldete sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bei der jungen Frau. Wieso?

Die Männer, die mitten auf der Hängebrücke interviewt wurden, erlebten eine intensive körperliche Erregung (Herzklopfen, erhöhter Blutdruck, Adrenalinkick), die sie normalerweise als Angst wahrgenommen hätten. Weil sie allerdings von einer attraktiven Frau befragt wurden, deuteten sie ihre Erregung fälschlicherweise als sexuelle Anziehung.

Der Mensch besitzt ein primitives Nervensystem für die Verarbeitung von Emotionen wie Angst und Wut (Amygdala). Allerdings haben wir die Fähigkeit, diese instinktiven emotionalen Reaktionen durch intellektuelle Aktivität im präfrontalen Cortex zu formen, zu interpretieren und rechtzufertigen. Es ist also schwierig, zu unterschieden, ob unser Herz klopft, weil wir verliebt sind oder wir uns wegen dem Herzklopfen verlieben. Es ist schwierig zu sagen ob wir wirklich fühlen, was wir glauben zu fühlen.