Pragmatik nach Vorbild des Bananenmoguls Samuel Zemurray

1917, tief im Dschungel des Isthmus, konzentrierte sich der Konkurrenzkampf zweier rivalisierender, amerikanischer Obst-Konzerne auf ein Stück Land an der honduranisch-guatemaltekischen Grenze. Beide Unternehmen versuchten, das Landstück für sich zu beanspruchen und zu erwerben. Die Problematik, wie in Rich Cohens «The Fish that ate the Whale» beschrieben, war, dass das begehrte Land offenbar zwei unterschiedlichen Besitzern gehörte: einem Guatemalteken und einem Honduraner.

Die beiden Produzenten reagierten auf ihre ganz eigene Weise. United Fruit, eines der grössten und einflussreichsten Unternehmen der Vereinigten Staaten, handelte typisch für einen bürokratischen Grosskonzern und engagierte eine Horde hochbezahlter Anwälte. Diese arbeiteten sich durch alle vorhandenen Dokumente und Papiere, um den rechtmässigen Besitzer zu identifizieren. Koste es, was es wolle. Ihr Konkurrent Cuyamel Fruit, ein dynamischer und gerissener Emporkömmling unter der Führung von Samuel Zemurray, hatte nicht die Ressourcen, sich auf das Spiel des grossen Corporate-Bruders einzulassen. Während United Fruit die bürokratische Maschinerie in Gang brachte, traf sich Zemurray einzeln mit beiden Grundstücksbesitzern. Er kaufte das Land beiden Eigentümern ab. Er zahlte zwar doppelt, doch das Problem war erledigt. Und das Land gehörte ihm.

 „by 1917, the Banana War was centered on a single piece of land: five thousand acres on the north bank of the Utila that both companies coveted. United fruit discovered the problem first. The land, which was on territory claimed by Guatemala and Honduras, seemed to have two separate legal owners.
(…)
When this mess of deeds came to light, United Fruit did what big bureaucracy-heavy companies always do: hired lawyers and investigated to search every file for the identity of the true owner. This took months. In the meantime, Zemurray meeting separately with each claimant, simply bought the land from them both. He bought it twice- probably still spent less than U.F. and came away with the prize.”

Zemurray kümmerte sich nicht um Regeln, sondern um Lösungen. Wie Ryan Holiday in «The Obstacle is the Way» herausstreicht, hat Pragmatismus weniger mit Realismus zu tun als mit Flexibilität. Der Weg, der funktioniert, ist auf jeden Fall der richtige. Das Resultat zählt. Das ist Pragmatik.

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