Marc Rothkos Nr. 6

Das Gemälde des Expressionisten Marc Rothko Nr. 6 ist eine Leinwand mit schummrig aufgetragenen, weiten Flächen. Öl-Farben. Violett, Grün und Rot. Das Gemälde hat keinen Namen, bloss eine Nummer. Mehr nicht. Und doch gehört das Werk des amerikanischen Künstlers zu den zehn teuersten Kunstgemälden aller Zeiten und wurde für 186 Millionen US-Dollar (!!!) an den russischen Milliardär und Kunstsammler Dmitry Rybolovlev verkauft.

Wir kaufen etwas, wenn das Produkt für uns einen höheren Wert hat, als das Geld, das es kostet. Kunst ist objektiv gesehen nutzlos. Der Materialwert der Nr. 6 ist vernachlässigbar. Und doch hat Rybolovlev in Rothkos Gemälde einen Wert gesehen, der die unglaubliche Summe rechtfertigte, die er dafür bezahlte.
Das ist das Wunderbare an der Kunst. Ihr Charme liegt in der objektiven Nutzlosigkeit. Kunst berührt uns. Sie berührt uns in einem Masse, das nicht messbar, fassbar oder gar vernünftig ist. Kunst stellt unsere Perspektive in Frage. Sie lehrt uns zu sehen. Wir können nicht ändern, was wir sehen, doch die Entscheidung ist bei uns, wie wir etwas wahrnehmen und ob etwas in uns bewegt wird. Marc Rothkos Nr. 6 ist mehr als eine Leinwand. Mehr als nur Violett, Grün und Rot. Mehr als gemalte Flächen. Nr.6 ist Kunst.

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