Gewohnheitssache

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Zitternd sass ich am Steuer. Welches der drei Pedale war schon wieder die Kupplung? Wann genau muss ich auf das Gas drücken? Und was ist, wenn ich – mit beiden Füssen auf Kupplung und Gas – nicht mehr bremsen kann und das Auto in einen Baum fahre? Oder vielleicht rennt ein Kind über die Strasse?

Ich kann mich gut an meine ersten Fahrstunden erinnern: Totale Überforderung. Man steigt zwar «nur» in ein Auto ein, aber gleichzeitig in eine komplett neue Umgebung mit eigenen Regeln, Handgriffen und Verhaltensweisen. Das Lernen funktioniert nicht «step by step», sondern alles aufs Mal.

Und doch setze ich mich heute ins Auto und fahre einfach los. Alles, was mich vor einigen Jahren noch ins Schwitzen gebracht hat, das funktioniert heute ohne nachzudenken. Beim Autofahren muss man zuerst lernen, wie man fährt, bevor man sich darauf konzentrieren kann, wohin man fährt.

Ähnlich ist es beim Schreiben. Seit einer Weile schreibe ich jeden Tag. Ich kümmere mich nicht darum, ob das Geschriebene gut ist, ob es jemandem gefällt oder ob ich es verarbeiten kann. Es geht mir darum, die Hand über das Blatt Papier zu bewegen, mit den Fingern auf die Tasten zu drücken. Mein Ziel ist es, das Schreiben zu einer Gewohnheit zu machen. Indem ich jeden Tag schreibe, hoffe ich, dass ich irgendwann meine Energie nicht mehr dafür aufwenden muss, dass ich schreibe, sondern darauf lenken kann, was ich schreibe.

Wenn die Methode zur Gewohnheit wird, dann ist der Kopf frei für das Ziel, die Richtung, den Inhalt.

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Anmerkungen:

Für eine vertieferte Auseinandersetzung zum Thema «Gewohnheit» empfehle ich Charles Duhiggs sehr lesbares Buch The Power of Habit (auch in Deutsch verfügbar) oder den etwas anspruchsvolleren Artikel Habits, Rituals, and the Evaluative Brain von Ann M. Graybiel aus dem Annual Review of Neuroscience von 2008.