Die Möglichkeit im leeren Raum

Geschriebenes

Literatur fasziniert nicht durch Worte, sondern durch das, was zwischen den Zeilen geschieht.

Ein Film berührt nicht durch seine Frames, sondern die Übergänge zwischen den Bildern.

Ein grossartiger Koch schmeckt nicht nur was ist, sondern was fehlt.

Ein Schachzug ermöglichen nicht die Figuren, sondern die freien Felder.

Wir kümmern uns oft um das, was ist und nicht um das, was fehlt. Wir sehen die Handlung und nicht die Untätigkeit. Wir spüren das Scheinbare und ignorieren das Unwahrscheinliche.

Aber das grösste Potential liegt im leeren Raum. Wenn wir unser Augenmerk auf das richten, was nicht da ist, eröffnen sich neue Wege. In den Zwischenräumen entsteht Innovation. Das Fehlen führt zu Veränderung. Die Möglichkeit liegt in der Leere.

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Nedre Slottsgate in Oslo, Norwegen, 1882 (Quelle)