Das Sinnieren

Geschriebenes

Am Schreibtisch. Auf dem Sessel. Unter dem Lindenbaum.

Mit dem Deckel auf dem Stift. Mit Tinte. Mit geschlossenen Augen. Mit offenen.

Über Sinn und Unsinn. Über Fragen und Antworten.

Im Geist. In der Erinnerung. In der Luft. In der Zukunft.

Form und Farbe, Ort und Art, Was und Warum sind unterschiedlich.

Aber Sinnieren funktioniert nur mit Ruhe. Nur mit Konzentration. Nur mit Zeit. Alles Faktoren, die im lauten, abgelenkten Alltag gerne ertrinken. Findet Sinnieren nicht bewusst statt, so findet es gar nicht statt. Es muss kultiviert werden.

Für mich ist es der Morgen, wenn der Geist frisch, die Luft kühl und die Synapsen aufgeladen sind. Für andere ist es die späte Nacht, wenn ausser dem Singen der Sterne nur leises Schnarchen den Denkprozess rhythmisiert.

So öffnen wir die Tür für mehr Momente wie jetzt, wo alles andere ausser dem Jetzt aus dem Blickfeld verschwindet und das Feuerwerk der Sinne im ganzen Körper glitzert und knistert.


Anmerkungen:

1. Etymologie von “sinnieren” aus dem digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache:
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, (Quelle)

2. Die Freedom-App hilft, sich zumindest von den digitalen Verlockungen und Fesseln für eine bestimmte Zeit loszulösen und die Aufmerksamkeit den eigenen Gedanken anstatt dem Wirrwarr im Internet zu richten.

Bild: Odilon Redon, Light, 1893