Unfaule Sprache

Geschriebenes

Oft muss ich mich dagegen wehren, nicht impulsiv faul zu sein.

Und das nicht nur, wenn es ums Aufstehen, Kochen oder Aufräumen geht. Auch in Bezug auf die Sprache, ist nicht faul zu sein nicht ganz einfach.

Das digitale Medium ist besonders verführerisch. Postet eine Freundin ein Foto auf Instagram, oder schreibt ein Freund eine Nachricht über Whatsapp, so wandert mein Finger automatisch in Richtung Emojis. «Nein», muss ich mich jeweils daran erinnern, «das ist keine normale Art zu antworten.»

Wir haben ein Universum an Ausdrucksmöglichkeiten unter den Fingerspitzen und limitieren mit Emojis freiwillig unsere emotionalen Antworten. Die Einschränkung der eigenen Sprache als etwas, das wir historisch als faschistisches Instrument kennengelernt haben, funktioniert heute selbstbestimmt. Weil es ein wenig einfacher ist.

Es braucht mehr Überlegung und Kreativität, um einem Bekannten eine wohl überlegte und persönliche Gratulation zu seinem Geburtstag zu formulieren, als bloss ein «alles gute» mit einem ikonischen Partyhütchen und zwei sich zuprostenden Biergläsern zu schicken. Es braucht viel mehr Feingefühl und Empathie, um mit einer Textmitteilung auf den Verlust eines Mitmenschen zu reagieren, als lediglich ein trauriges Smiley zu versenden. 

Doch in solchen Fällen lohnt es sich, unfaul zu sein. Denn gerade digital lebt die wirkungsvolle Kommunikation von präzisen, bewusst gestalteten und intimen Mitteilungen. Und nicht durch die Auswahl eines (in)adäquaten Emojis.

GIF: Bewegter Mund. Quelle der Bilder: https://publicdomainreview.org/collections/the-postures-of-the-mouth-1846/

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