Kunst und Geld oder Olivier Mossets «Convertible»

Geschriebenes

Kann ein Künstler gegen Bezahlung arbeiten?

Darf Kunst ein Beruf sein oder bloss eine Berufung?

Olivier Mosset hat die Beziehung zwischen Kunst und Geld in seinem Werk auf eine ironische Weise verarbeitet. Der schweizerische Maler und Kunstrevoluzzer hat eine Reihe seiner Gemälde mit materiellen Dingen betitelt. Nicht um das Konsumverhalten der Gesellschaft zu reflektieren. Oder um die finanzielle Lage des Künstlers zu spiegeln. Nein, die Titel bezeichnen ganz einfach das, was sich Mosset mit dem Erlös der Kunstwerke kaufen wollte.

Die Titelsetzung der Werke zeigt ein Bewusstsein dafür, was man wofür macht. Klar, der Kunst wegen. Aber auch, um sich damit seine Miete und sein Abendessen zu bezahlen. Oder im Fall der weiss bemalten Leinwand mit den vertikalen und horizontalen gelben Trennlinien: ein «Convertible» – ein ausziehbares Schlafsofa. (Für ein Cabriolet hätte der Umsatz vermutlich nicht gereicht.)

Ein Künstler bleibt nur ein Künstler, wenn er als Künstler überleben kann.


Kunstwerk:
Olivier Mosset (*1944)
Convertible, 1987
Acryl auf Leinwand
Sammlung Andrea Caratsch, St. Moritz
Bis am 8. September 2019 ausgestellt im Museum Haus Konstruktiv in Zürich. Zur Ausstellung ist eine interessante Monographie (hg. von Sabine Schaschl) erschienen.