Quietschen und Knarzen

Geschriebenes

Auf. Quietschen. Zu. Knarzen.

Auf. Ich zuckte zusammen. Zu. Es schüttelte mich durch.

Auf. Es stellte mir die Haare zu Berge. Zu. Es fuhr mir durch Mark und Bein.

Immer und immer wieder.

Jedes Mal, wenn ich die Tür meines Zimmers öffnete.

Jedes Mal, wenn ich die Tür hinter mir zuzog.

Doch dann fiel mir plötzlich auf, dass das Quietschen verstummte, wenn ich die Tür nur bis zu einem bestimmten Winkel öffnete und das Knarzen ausblieb, wenn ich sie kurz vor dem Schliessen leicht anhob.

So drückte ich mich wochen-, nein, monatelang zwischen Tür und Angel durch, schlängelte mich vorbei am Quietschen und Knarzen und manövrierte geschickt rund um das und am Problem herum und vorbei.

Ich vergass das Quietschen, vergass das Knarzen …

… bis jeweils die Freundin, der Bruder oder die Katze die Tür aufstiess und ich vor Schmerz wieder zusammenzuckte.

Nur weil man einem Problem ausweichen kann, bedeutet dies nicht, dass es dadurch verschwindet. (Und oft ist die Lösung weniger aufwändig als vermutet.)


Bild: Collage aus (1) Henry van de Velde (1906) von Edvard Munch und (2) Waves and sun from Momoyogusa–Flowers of a Hundred Generations (1909) von Kamisaka Sekka.