Versandt, aber nicht geliefert

Geschriebenes

Der traditionelle Zustellungsprozess ist mit der Etablierung von digitalem Versand um eine neue Geschmacksnote bereichert worden. Video-Kurse, Apps, Medien und was das Internet sonst noch an digitalen Gütern anbietet, kann im gleichen Atemzug bestellt, bezahlt, versendet und geliefert werden. Unabhängig von Geographie, Verkehr und Manpower erlaubt das Internet ein Gefühl – wenn auch nur ein Gefühl – von Gleichzeitigkeit. Das Ende des Klicks auf «Bestellen» ist mit dem Spielraum einiger Sekunden auch immer das Ende der Lieferung. Das Warten (wie auch die Vorfreude) auf das Produkt vor der Türschwelle oder im Mail-Eingang löst sich in Luft auf.

Umso überraschter war ich deshalb, als ich kürzlich ein App-Bundle über die Website des wertvollsten Unternehmens der Welt erwarb und mir Folgendes angezeigt wurde:

Nach dem Abschluss erhielt ich eine Mail als Bestätigung: Die Bestellung werde verarbeitet und ich benachrichtigt, sobald sie unterwegs sein sollte. Als ich auf die verlinkte Bestellnummer klickte, wurden die Details wie folgt zusammengefasst:


(Als Erklärung/Erinnerung: Es handelte sich um Software, die mir als Downloadlink per Mail mit einer Seriennummer zugesendet werden sollte. Alles digital. Alles automatisiert.)

Dass ein gewisses Vokabular aus dem physischen in den digitalen Bereich transferiert wird, schien mir nichts Besonderes, nachdem ich die Produkte schliesslich auch in einen Warenkorb gelegt hatte. Dass aber auch Prozessschritte übernommen werden, war dann doch etwas befremdlich.

Arbeiten die Server von Apple nur an «Werktage[n]»? Geben die «Tracking-Informationen» Auskunft darüber, wo meine Bestellung gerade im Internet herumsaust? Welche Route nimmt der virtuelle Lastwagen, damit er mehrere Tage unterwegs ist? Und wie muss ich mir den digitalen «Kurier» vorstellen? Ist das der Homunkulus innerhalb meines Laptops, belebt aus Bits und Bytes, der mir die Nullen und Einsen in Couverts und Pakete verpackt und im Mailfach deponiert? Ich mach dann besser den Kugelschreiber bereit, um auf dem Bildschirm zu unterschreiben.

Es dauerte dann tatsächlich drei Tage, bis die Bestellung bei mir ankam. Doch überraschenderweise habe ich mich ausserordentlich über Lieferung gefreut.

Die Kollision der neuen Welt mit alten Systemen kann zwischendurch ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Besonders, wenn es so harmlos ist.


Anmerkungen: Bei den Bildern handelt es sich um Screenshots aus dem Bestellungsprozess, die zugeschnitten hochgeladen worden. Alle Rechte liegen bei Apple.