Reflexion

Geschriebenes

Im gleichen Atemzug habe ich gestern ein Buch zugeschlagen und das nächste in die Hand genommen. «Moment!», fiel mir auf Seite 19 auf. «Ich hab mir keine Sekunde Zeit genommen, um auch nur im Ansatz darüber nachzudenken, was ich gerade beendet habe.» Ich legte das Buch weg, lehnte mich zurück, und noch bevor ich einen Gedanken zum alten fassen konnte – geschweige denn realisierte, was auf den neuen Seiten stand –, hatte ich bereits mein iPhone in der Hand.

Klar, ich habe es gelesen. Ich habe auf und zwischen den Zeilen eine Erfahrung gemacht. Ich war im Augenblick präsent und dachte an nichts anderes als die Bedeutung der Buchstaben auf dem Papier. Aber reicht das?

Reicht es, wenn ich den Freund vergesse, nachdem ich ihm Tschüss gesagt habe? Reicht es, wenn das Essen unbewusst verdaut wird, nachdem ich es heruntergeschluckt habe? Reicht es, wenn ich das Kleingeld für den Kaffee zähle, sobald ich den Vorlesungssaal verlassen habe? Reicht es, wenn ich das, was ich wahrnehme und konsumiere, nur wahrnehme und konsumiere? Oder geht ohne Zeit und Raum, um darüber nachzudenken, nicht ein wichtiger Teil verloren?


Bild: She Thinks of the Ghost or The Ghost Thinks of Her (Manao tupapau) (ca. 1894–1895) von Paul Gauguin – Quelle.