Allzuklein und allzugroß

Geschriebenes

Wir sehen uns in der Regel mit einer von zwei Herausforderungen konfrontiert: Entweder übersteigen unsere Ambitionen die vorhandenen Möglichkeiten oder wir vereinfachen mit unseren Aussagen und Handlungen die Realität auf eine ungerechtfertigte Weise. In anderen Worten: Etwas ist uns zu klein oder zu groß.

Knifflig wird es aber erst richtig, wenn etwas wie z.B. unser Planet gleichzeitig zu klein und zu groß ist. Wenn, wie Bruno Latour in Das terrestrische Manifest konstatiert, für unsere Lebensweise die natürlichen Ressourcen und Grenzwerte nicht ausreichen, die nötigen Maßnahmen überschaubare Grenzen ignorieren und beides für unser Überleben von Bedeutung wäre:

Wir müssen uns mit etwas auseinandersetzen, was buchstäblich ein Problem der Dimensionen, des Maßstabs und des Unterkommens ist: Der Planet ist für den Globus viel zu eng und viel zu beschränkt; er ist zu groß, viel zu groß, zu aktiv, zu komplex, als dass er sich in den engen Grenzen irgendeiner Lokalität einpferchen ließe. Wir alle werden zweifach überschwemmt: vom Allzugroßen wie vom Allzukleinen. (S. 25)


Bild: Sectional view of Wyld’s Great Globe, which stood in Leicester Square, London 1851–62 – Quelle.
Literatur: Latour, Bruno: Das terrestrische Manifest. Aus dem Französischen von Bernd Schwibs. Berlin 2020.