Präpositionen
Geschriebenes
Das Glas Wasser steht auf dem Tisch. Dies kann ich mit ziemlicher Sicherheit behaupten (solange nicht die Schweißnähte des Tischgestells unter der Last des Laptops brechen oder eine unkontrollierte Bewegung meines rechten Ellenbogens das Glas von der Fläche fegt).
Über Neujahr fuhr ich nach Italien. Das ist schon etwas kniffliger, insofern Italien neben einem geographischen Punkt auf der Landkarte (die wiederum ein Produkt westlicher Wissenschaft repräsentiert) auch auf eine historisch variable, kulturelle Einheit verweist, die eine Kontextualisierung der Aussage voraussetzt.
Meine Katze schläft im Garten. Hier werden die Probleme – das Pronomen sei mal ganz ausgeschlossen – langsam deutlicher. Wo beginnt der Garten und wo hört er auf? Was gehört alles zum Garten dazu? Und wie verändert sich das? Welches Verhältnis zwischen Natur und Kultur wird impliziert? Welche Rolle übernimmt die Katze in diesem Gefüge? Und so weiter …
Präpositionen verlangen ein geteiltes Verständnis der Wirklichkeit und allem voran stabile Verhältnisse. Das mag wie im Falle der genannten Beispiele nach sprachphilosophischen Spielereien klingen. Wenn wir uns aber bewusst werden, dass unsere Lebenswelt von dynamischen Systemen dominiert wird und unser Zusammen- und Überleben davon abhängt, wie wir uns zu und innerhalb diesen verorten, sieht das Ganze plötzlich anders aus.
Früher konnte man noch sagen, dass die Menschen «auf der Erde» leben oder «in der Natur», dass sie sich «in der Neuzeit» befinden und als «Menschen» mehr oder minder für «für ihre Taten verantwortlich» sind. […] Aber wie kann angegeben werden, wo wir uns befinden, wenn dieses Etwas, «auf» oder «in» dem wir sitzen, auf unsere Handlungen zu reagieren beginnt, zu uns zurückkommt, uns umschließt, uns beherrscht, etwas von uns verlangt und uns in seinem Lauf mitreißt? (S. 52)
Literatur: Latour, Bruno: Das terrestrische Manifest. Übers. von Bernd Schwibs. Berlin 2020.