Matthäus und Matilda
GeschriebenesRosalind Franklins Anteil an der Entdeckung der DNA-Doppelhelix wurde Watson und Crick zugeschrieben. Otto Hahns Nobelpreis für die Entdeckung der Kernspaltung ist hauptsächlich Lise Meitner zu verdanken. Jocelyn Bell Burnel entdeckte Pulsare, der Nobelpreis ging jedoch an Antony Hewish, den Betreuer ihrer Promotion.
«Denn wer hat, dem wird gegeben […]» (Matthäus 13:12) – Der Matthäus-Effekt nach Merton und Zuckerman beschreibt, dass Wissenschaftler*innen, die bereits bekannt sind, leichter Anerkennung für ihre Arbeit erhalten.
«[…] wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.» (ebd.) – Liest man den zweiten Teil des Gleichnisses aus einer Geschlechterperspektive, landet man nach Rossiter beim Matilda-Effekt: Leistungen von Frauen werden in der Wissenschaft nicht nur aufgrund mangelnder Bekanntheit, sondern durch institutionelle und gesellschaftliche Mechanismen systematisch unsichtbar gemacht.
Literatur:
Merton, Robert K.: The Matthew Effect in Science. In: Science, Band 159, Nr. 3810. Washington DC 1968, S. 56–63.
Rossiter, Margaret W.: The Matthew Matilda Effect in Science. In: Social Studies of Science. Band 23, Nr. 2, 1993, S. 325–341.