Metaphorische Weltbezüge
Geschriebenes«Der menschliche Wirklichkeitsbezug ist verzögert, selektiv – und vor allem metaphorisch», schreibt Hans Blumenberg in Wirklichkeiten in denen wir leben. Nach Blumenberg erfassen wir die Welt nicht unmittelbar, sondern über Umwege – über Bilder, Vergleiche, Sprachfiguren. Metaphern sind dabei weit mehr als rhetorischer Schmuck. Sie sind epistemische Denkwerkzeuge.
Gewisse Metaphern helfen dabei, vage Ideen zu fassen, bevor sie später durch klarere Begriffe abgelöst werden. Andere – sogenannte ‘absolute Metaphern’ – sprengen nach Blumenberg unser begriffliches Denken und lassen sich gar nicht erst in eindeutige Begriffe übersetzen. Sie bilden den Horizont unseres Denkens und «geben einer Welt Struktur, repräsentieren das nie erfahrbare, nie übersehbare Ganze der Realität.»
Metaphern repräsentieren eine eigene, irreduzible Denkform – nicht obwohl sie ungenau sind, sondern weil sie ungenau sind.
Literatur: Blumenberg, Hans: Wirklichkeiten in denen wir leben. Stuttgart 1981.
Blumenberg, Hans: Paradigmen einer Metaphorologie. Bonn 1960.