Krisen und Wirklichkeit

Geschriebenes

In Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche kehrt jeweils ein Konzept mit besonderer Wucht zurück: die Wirklichkeit. Wie Albrecht Koschorke in seiner Studie Das Mysterium des Realen in der Moderne ausführt, beinhaltet eine gesellschaftliche Krisensituation den «Appell zu einem erneuerten Realismus, zu einer Rückbesinnung auf das unzweifelbar Wirkliche und dessen angemessene Manifestation, sowohl im kognitiven als auch im normativ-moralischen Sinne.»

Doch gerade dieses ‘unzweifelbar Wirkliche’ trägt eine doppelte Spannung in sich: Einerseits erweckt das Konzept der Wirklichkeit «die Vorstellung von etwas Eigentlichem und Wesenhaftem», das unabhängig von Perspektiven oder Zuschreibungen existiert. Andererseits stellt die Wirklichkeit keinen fixen Bezugspunkt dar. Sie zeichnet sich durch eine «konstitutive Nicht-Feststellbarkeit» aus und bleibt – so fest man sich auch danach sehnt – unerreichbar.


Literatur: Koschorke, Albrecht: Das Mysterium des Realen in der Moderne. In: ders., Lethen, Helmut & Jäger, Ludwig (Hg.): Auf die Wirklichkeit zeigen. Zum Problem der Evidenz in den Kul- turwissenschaften. Ein Reader. Frankfurt a. M. 2015, S. 13-38.


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