Imaginäre Authentizität
GeschriebenesEine fiktionale Aussage ist gleichzeitg real-inauthentisch und imaginär-authentisch, denn sie wird von einer Autorin oder einem Autor geschrieben, aber von einer fiktiven Stimme gesprochen. Diese Doppelbödigkeit wird bei Martinez/Scheffel folgendermaßen zusammengefasst:
«Der Autor produziert […] Sätze, die zwar real, aber inauthentisch sind – denn sie sind nicht als Behauptung des Autors zu verstehen. Dem fiktiven Erzähler hingegen sind dieselben Sätze als authentische Sätze zuzuschreiben, die aber imaginär sind – denn sie werden vom Erzähler behauptet, jedoch nur im Rahmen einer imaginären Kommunikationssituation»
Literatur entsteht aus realen Zeichen, deren Produktion in den Hintergrund rückt und aus imaginären Stimmen, die an Bedeutung gewinnen.
Quelle: Martinez, Matias/Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. 7. Aufl. München 2007, S. 17.