Konditionierung der Perspektive nach Marc Aurel

«Wähle unverletzt zu sein und du wirst dich unverletzt fühlen. Fühle dich unverletzt und du wirst unverletzt sein.» Marc Aurels Herangehensweise an einen stoischen Optimismus ist ein praktisches Werkzeug im effizienten und eleganten Umgang mit alltäglichen Stolpersteinen. Anstatt sich von negativen Einflüssen lenken zu lassen, dient sie als Möglichkeit Geduld und Verständnis zu praktizieren. Was im Weg liegt, macht den Weg interessant. Marc Aurel schreibt in «Selbstbetrachtungen»:

 «Gleich in der ersten Morgenstunde sage zu dir: Heute werde ich mit einem vorwitzigen, undankbaren, übermütigen, ränkevollen, verleumderischen, ungeselligen Menschen zusammentreffen. Alle diese Fehler haften an ihnen nur wegen ihrer Unkenntnis des Guten und des Bösen. Ich hingegen sehe ein, dass das Gute seinem Wesen nach schön, das Böse hässlich ist, und weiss von der Natur selbst des Fehlenden, dass sie mit der meinigen verwandt ist, nicht sowohl desselben Blutes und Samens, als vielmehr derselben Vernunft, des gleichen göttlichen Funkens teilhaftig. Auch weiss ich, dass weder er, noch sonst ein Mensch mich beschädigen kann; denn niemand vermag es, mich in etwas Schändliches zu verwickeln; aber ebenso wenig kann ich dem, der mir verwandt ist zürnen oder ihm gram sein; sind wir ja vielmehr zu gemeinschaftlicher Wirksamkeit da, wie die Füsse, die Hände, die Augenlieder, die oberen und unteren Reihen der Zähne. Einander entgegenwirken wäre mithin naturwidrig, auf jemand aber ungehalten sein und von ihm sich abwenden, hiesse ihm entgegenzuwirken.»