Pilot und «reverse pilot»: Ausbauen und Aufräumen

Hinzufügen ist verlockend. Eine neues Projekt, eine zusätzliche Idee, ein weiteres Hobby. Das Pilotformat erlaubt es dir, eine Initiative als Prototyp in einem begrenzten realen Umfeld zu testen. Bevor etwas Neues implementiert wird, kann so – ohne Rundumschlag – ein realer Versuch auf einem provisorischen Spielfeld stattfinden. Nach der Testphase wird der Pilot entweder weiterverfolgt oder verworfen. Ein Pilot hilft dir, ohne riesigen Aufwand zu differenzieren, welche neue Idee funktioniert und welche nicht.

Die Idee eines Piloten kann auch in umgekehrter Reihenfolge angewendet werden, um das Unwesentliche in einem praktisch risikofreien Verfahren zu eliminieren. Daniel Shapero, ein Director bei Linkedin, nennt diesen Prozess «reverse pilot». Er schreibt in seinem Artikel «Great Managers Prune as Well as Plant»:

«Killing marginal projects is incredibly hard because there is no urgency for change. Great companies and great managers find ways to kill these marginal projects and focus their resources and best people on being excellent at things that truly move the needle. Great managers prune as much as they plant. Great companies work hard to tear down as much as they build up.»

Das Ziel des «reverse pilot» ist, die Komplexität zu verringern. Wir möchten möglichst viele Variablen aus der Gleichung streichen, ohne dass sich das Resultat verändert. Welche Projekte oder Aufwände können für eine Testphase aus dem Programm gestrichen werden? Wenn das entfernte Stück nicht vermisst wird oder für das Funktionieren des Systems keinen Unterschied macht, war es schlicht nicht wichtig.

«Perfektion ist nicht erreicht, wenn sich nichts mehr hinzufügen lässt, sondern dann, wenn man nichts mehr wegnehmen kann.» – Antoine de Saint-Exupéry

Hinzufügen ist einfach. Es ist toll, sich mehr anzunehmen und sich breiter aufzustellen. Wegnehmen hingegen ist schwierig. Wegnehmen bedeutet Loslassen. Wegnehmen heisst, ehrlich zu sein, zu reflektieren. Wegnehmen heisst den Status quo zu hinterfragen, Veränderung zu umarmen. Das ist unangenehm. Doch diese Reduktionen sind essentiell, um die Energie auf die Dinge zu konzentrieren, die tatsächlich den Unterschied ausmachen.