Urheberrecht auf Ideen – Über Eigentum und Wirkung, Autorschaft und Aussage

Seit der Erfindung des Internets ist die Quelle der Information unsichtbar geworden. Alles fliesst zusammen, vermischt sich und flutet den Planeten. Doch das spielt keine Rolle, denn am Ende ist alles nur Information. Und Information allein ist nichts wert.

Was bereits vor 2’000 Jahren unter den Philosophen Streit verursachte, ist heutzutage aktueller als jemals zuvor. Seneca schreibt in «Briefe an Lucilius»:

«Das Hören und Lesen der Philosophien diene unserem Vorsatz, glückselig zu leben, nicht dazu, nach veralteten oder neu erfundenen Wörtern zu haschen, nach riskanten Metaphern und Redefiguren, sondern nach nützlichen Lehren und grossartigen und von Mut beseelten Sprüchen, um diese alsbald in die Tat umzusetzen. (…) Nicht Reden, sondern Lenken ist angezeigt. Alles, was diese Leute sagen, was sie vor den Ohren der Menge zum besten geben, ist fremdes Gut: `Das hat Platon gesagt, das Zenon, das Chrysippus und Posidonius und die überwältigende Menge unserer so zahlreichen und vortrefflichen Denker.` Wie sie beweisen können, dass diese Gedanken ihr Eigentum sind, zeige ich dir sogleich: Sie sollen tun, was sie sagen.»

Schöpferisches Arbeiten bedeutet, kopieren, interpretieren, anpassen und neu vernetzen. Und meistens sind wir uns dessen nicht einmal bewusst. «Every new idea», erklärt Austin Kleon in «Steal like an Artist», «is just a mashup or a remix of one or more previous ideas.». Keine kreative Idee ist von Grund auf ein Original. Doch das ist in Ordnung, denn es ist nicht die Idee selbst, die den Unterschied macht. Entscheidend ist, was diese Idee bewirkt.

Seneca meint, es sei schlimmer, Neues zu erfinden und die Aussage zu schwächen, nur um original zu sein, als sich bei Vorgängern zu bedienen und die Wirkung zu erhalten. Autorschaft ist unwichtig, die Resonanz entschiedet:

«Ich werde mich nie dafür schämen, einen schlechten Autor zu zitieren, wenn das, was er sagte, gut ist.»

Die Informationen stehen allen zur Verfügung. Jeder kann zugreifen und damit arbeiten. Entscheidend ist, was funktioniert. Es gewinnt nicht der erste, sondern der beste. Nicht Versprechen, sondern Taten zählen.

Fühl dich frei, die Gedanken der bedeutenden Denker zu nutzen, umzuwandeln und anzupassen. Der Beweis, dass du wirklich verstehst, was du schreibst und sagst, ist, zu tun was du schreibst und sagst.

«Die Welt verändert sich durch dein Vorbild, nicht durch deine Meinung.» – Paulo Coelho