Alan Watts über exzessives Denken und Meditation

«Lug und Trug gilt als verbürgte Wahrheit», wie Henry David Thoreau (1817-1862) in Walden schreibt, «während man die Wirklichkeit nur vom Hörensagen kennt. Würde man seinen Blick auf das Wirkliche richten und sich nicht täuschen lassen, dann käme einem das Leben (verglichen mit dem, was es jetzt ist) wie ein Märchen aus ‘Tausendundeiner Nacht’ vor.»

Dieselbe Erkenntnis, die Thoreau durch seinen Rückzug von der Zivilisation in die Natur  erreichte, gelang dem britischen Denker und Schriftsteller Alan Watts (1915-1973) durch die Beschäftigung mit den damals scheinbar oppositionellen Bereichen der antiken östlichen Philosophie und der modernen westlichen Psychologie.

Thoreau beschreibt das zerebrale Abschweifen von der Realität als eine Art komatöser Schlummerzustand. «Woher kommt es, dass der Mensch mit seinem Tag so wenig ausrichtet?», fragt sich Thoreau, «Er ist nie richtig wach. […] Wach sein heisst leben.» Für Alan Watts ist das Denken der Propeller, der – sobald er einmal zu drehen beginnt – uns vom festen Boden der Realität loslöst und immer weiter in die stürmischen Höhen unserer Gedankenwelt schraubt. Für unsere geistige Gesundheit und um des Lebens willen ist es Zeit aufzuwachen! Alan Watts schreibt:

«A person who thinks all the time has nothing to think about except thoughts. So, he loses touch with reality and lives in a world of illusions. By thoughts I mean specifically ‘chatter in the skull’… perpetual and compulsive repetition of words… of reckoning and calculating.

I’m not saying thinking is bad. Like everything else, it’s useful in moderation. A good servant, but a bad master – and all so called civilized peoples have increasingly become crazy and self-destructive. Through excessive thinking, they have lost touch with reality.

Most of us would have rather money than tangible wealth… and a great occasion is somehow spoiled for us unless photographed… and to read about it the next day in the newspaper is oddly more fun for us than the original event. This is a disaster.

To get in touch with reality there is an art of meditation… It is the art of temporarily silencing the mind… of stopping the ‘chatter in the skull’. Of course you can’t force your mind to be silent. That would be like trying to smooth ripples in water with a flat iron. Water become cool and clear only when left alone.»

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Caspar David Friedrich – Der Wanderer über dem Nebelmeer