Paul Graham über die Gefahr von kuratierten Entdeckungen

Die grössten Entdeckungen in den Annalen der Menschheitsgeschichte, die Geniestreiche der ausserordentlichsten Geister, die diesen Planeten betreten habe, sie haben eines gemeinsam: Sie veränderten die Art, wie wir denken und leben.

Ihre revolutionäre Fassade verschleiert jedoch einen zentralen Aspekt von Entdeckungen: Alles Menschengemachte war einmal ein Gedanke. Selbst das, was unumkehrbar scheint, was wir für selbstverständlich halten, worauf wir niemals verzichten möchten, war zu Beginn nicht mehr als das Ergebnis von einigen feuernden Neuronen.

Der einfachste Schluss folgt oft aus den kompliziertesten Prämissen. Ein Athlet investiert hunderte von Stunden an Training, damit eine Bewegung nach aussen mühelos wirken kann. Genauso arbeiten die grössten Wissenschaftler daran, über die Schranken des Schwierigen hinweg das Simple zu sehen – und zugänglich zu machen.

Common Sense hat seinen Ursprung selten im Common Sense selbst. Rückblickend kann ein offensichtlicher Pfad erkannt werden. Nach vorne gerichtet sieht das Ganze etwas anders aus. Ob ein Gedanke genial oder verrückt, einzigartig oder eigenartig ist, kann kaum unterschieden werden. Die Grenzen sind verschwommen, undurchsichtig, multidimensional.

Eine geniale Entdeckung entstammt möglicherweise einer verrückten Quelle. Und in derselben Weise mag ein Gedanke, der heute verrückt wirkt, in einigen Jahren nur noch Verrückten verrückt erscheinen.

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Paul Graham, The Risk of Discovery

Because biographies of famous scientists tend to edit out their mistakes, we underestimate the degree of risk they were willing to take. And because anything a famous scientist did that wasn’t a mistake has probably now become the conventional wisdom, those choices don’t seem risky either.

Biographies of Newton, for example, understandably focus more on physics than alchemy or theology. The impression we get is that his unerring judgment led him straight to truths no one else had noticed. How to explain all the time he spent on alchemy and theology?  Well, smart people are often kind of crazy.

But maybe there is a simpler explanation. Maybe the smartness and the craziness were not as separate as we think. Physics seems to us a promising thing to work on, and alchemy and theology obvious wastes of time. But that’s because we know how things turned out. In Newton’s day the three problems seemed roughly equally promising. No one knew yet what the payoff would be for inventing what we now call physics; if they had, more people would have been working on it. And alchemy and theology were still then in the category Marc Andreessen would describe as „huge, if true.“

Newton made three bets. One of them worked. But they were all risky.