Platons Olivenbaum oder die Überreste der Geschichte

Vor 2’400 Jahren unterrichtete Platon seine Schüler im Schatten eines riesigen Olivenbaumes in der Allee der berühmten Akadḗmeia in Athen. Viele Jahre später, als Platons Schüler und dessen Nachkommen schon lange das Zeitliche gesegnet hatten und von den historischen Gebäuden nur noch archäologische Reststücke übrig waren, wuchs und gedieh derselbe Olivenbaum noch immer…

Bis 1976 ein schwerer Bus in den Baum prallte und den Stamm zerstörte. Das obere Bruchstück des Stammes wurde in ein Museum transferiert, während der untere Teil an Ort und Stelle verblieb…

Bis 2013 die Überreste von Platons Olivenbaum über Nacht spurlos verschwanden. Offenbar hatte jemand die 3’000 Jahre alten Wurzeln zu Feuerholz verarbeitet und mitgenommen.

Was haben wir falsch gemacht? Wie hätten wir das physische Erbe Platons beschützen können? Wir hätten den Olivenbaum mit Schutzfolie umwickeln und einen Zaun rundherum aufstellen sollen. Vorzugsweise einen elektrischen, damit auch wirklich jeder vom Baum fernblieb…

Bis der Baum womöglich von einem Blitz getroffen worden und niedergebrannt wäre. Oder der Stamm von Holzwürmern zerfressen worden und nur noch eine durchlöcherte Leiche des Olivenbaumes stehen geblieben wäre…

Oder auch nicht.

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1. Dieser Text ist ein Ausschnitt aus dem monatlichen Newsletter von Denkbrocken. Hier kannst du dich in die Liste eintragen.
2. Inspiration aus Episode 15 des aussergewöhnlichen Podcasts von Seth Godin, Akimbo.